Fonds

Schwellenländerfonds Die Firma lockt

[10:29, 06.09.10]


Schwellenländer-Rentenfonds setzen immer seltener auf Staatsanleihen. In den Fokus rücken stattdessen Unternehmensbonds.


Im vergangenen Jahr hatten deutsche Schwellenländer-Rentenfonds noch Abflüsse in Höhe von 138 Mio. Euro hinnehmen müssen. Jetzt sind die Produkte bei Anlegern wieder beliebt. Im ersten Halbjahr 2010 sammelten sie nach Angaben des Branchenverbands BVI rund 1,4 Mrd. Euro Anlegergeld ein und verwalteten damit insgesamt 8,5 Mrd. Euro. Länder wie China oder Indien erscheinen vielen Investoren offenbar stabiler als Griechenland, Spanien oder die USA. Nicht ganz zu Unrecht: Viele dieser sogenannten Emerging Markets kamen besser durch die Krise als die westeuropäischen Staaten oder die USA, sind geringer verschuldet und können ein größeres Wachstum vorweisen.

In der Vergangenheit waren vor allem Rentenfonds aus Schwellenländern beliebt, die auf Staatsanleihen setzen. Doch sie haben zuletzt an Attraktivität eingebüßt, weil das große Anlegerinteresse die Kurse in die Höhe getrieben und damit die Renditen gedrückt hat. Einige Anbieter bevorzugen mit ihren Fonds deshalb jetzt Staatsanleihen, die in Lokalwährungen notiert sind und deshalb zum Teil deutlich höhere Renditen bieten als Anleihen in Euro oder Dollar. Der jüngste Trend sind nun Unternehmensanleihen, ebenfalls wegen der höheren Rendite.

Die britische Fondsgesellschaft Threadneedle etwa widmete kürzlich einen Fonds, der in Staatsanleihen aus Schwellenländern investiert, in einen Unternehmensanleihefonds um. „Der Markt für Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern wird in den nächsten Jahren wachsen und dem Investor einen deutlichen Mehrwert gegenüber Staatsanleihen bieten“, begründet Threadneedle-Fondsmanager Richard House diese Entscheidung.

Die Argumente der Anbieter: Erstens bringen Unternehmensanleihen in der Regel höhere Renditen als Staatsanleihen. Das gilt ganz besonders, seit die Kurse der Staatsbonds aus den aufstrebenden Ländern immer weiter steigen. Zweitens gelten die Papiere trotz zum Teil mäßiger Ratings mittlerweile als fast ebenso stabil wie Titel aus Industrienationen, dank der geringen Verschuldung und des starken Wachstums ihrer Heimatländer. Drittens bekommen immer mehr Schwellenländerfirmen bessere Ratings.

Einen ähnlich gelagerten Fonds wie Threadneedle brachte im Juni der Schweizer Anbieter Fisch Asset Management auf den Markt. Der Fisch Bond Value Investment Grade Fund investiert in unterbewertete Schwellenländer-Corporate-Bonds mit Investment-Grade-Rating. Für Anleihen aus Schwellenländern bekomme man im Vergleich zu Papieren aus Industriestaaten eine Risikoprämie von 0,5 Prozent, sagt Fondsmanager Philipp Good. Bei Unternehmensanleihen kämen noch einmal rund 0,8 Prozent hinzu. Bald würden auch viele andere Fondsanbieter auf Unternehmensanleihen setzen, ist Good überzeugt. „Es geht jetzt erst richtig los, die Zahl der Produkte wird steigen.“

Davon geht auch Christopher Wolter aus, Analyst bei Feri Eurorating: „Die nächste Welle der Fondsauflegungen steht bei den Schwellenländer-Unternehmensanleihefonds an.“ Die Argumente der Anbieter für Unternehmensanleihen findet er schlüssig. Wolter sieht allerdings noch einen anderen Grund für den beginnenden Boom: Investmentbanken berechnen immer mehr Indizes für Schwellenländer-Corporates. Bis vor einiger Zeit gab es für diese Nische praktisch überhaupt keine Indizes. Dann kam zum Beispiel der Corporate Emerging Market Bond Index von  JP Morgan. „Neue Indizes können den Fondsmarkt ankurbeln“, sagt Wolter. Ist erst einmal ein Index da, haben Fondsmanager eine Grundlage für ihre Titelauswahl.

Größtes Problem: „Wir erachten die Liquidität derzeit als größtes Risiko“, sagt Good von Fisch Asset Management. „Die Märkte sind oftmals erst in den Kinderschuhen.“ Ginge die Rentennachfrage in einem der Wachstumsmärkte deutlich zurück, könnten die Anleihefonds-Manager ihre Papiere nur noch mit hohen Abschlägen verkaufen. Bräche der Markt völlig zusammen, könnten zudem auch viele der heutigen Wachstumsunternehmen mit zugrunde gehen. „Rentenfonds, die in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern investieren, sind deshalb kein Investment für unerfahrene Anleger“, sagt Wolter.


 

© 2010 ftd, © Illustration: boerse-online.de

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