Vermögensverwalter spielen Extremszenarien durch, um sich für den "Worst Case" zu rüsten. Problem: Die Folgen eines Zusammenbruchs der Euro-Zone sind nicht kalkulierbar. Das macht es schwierig, die richtige Strategie zu finden.
Als kleine, aber ernstzunehmende Option betrachten Hedge-Fonds inzwischen die Option, dass ein Land aus der Euro-Zone austritt. Als Gründe werden die schwierigen Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt sowie wachsende Zweifel daran, dass Portugal seine Finanzprobleme aus eigener Kraft lösen kann.

Euro-Münzen
Zum möglichen Austritt eines Staates aus der Währungsunion sagte ein Risikochef einer Gesellschaft laut Nachrichtenagentur Reuters: "Wie genau dieses Ereignis ausfallen könnte, lässt sich im Voraus nicht greifen, aber das entbindet dich nicht von deiner Pflicht, dich darauf vorzubereiten." Präzedenzfälle gibt es nicht, nicht einmal der Zusammenbruch von
Lehman Brothers 2008 kann als Muster herangezogen werden.
Die so gut wie gar nicht regulierten Hedge-Fonds können das ihnen anvertraute Geld viel freier investieren als klassische Investmentfonds. Sie fahren Anlagestrategien auf mathematisch höchstem Niveau, um theoretisch noch fast jeden Verlust zumindest ausgleichen zu können. Und dennoch überzeugt die Wertentwicklung ihrer Portfolios nicht. Die Branche hat von den vergangenen vier Jahren zwei mit Verlusten abgeschlossen. Besonders hohe liefen im Krisenjahr 2008 auf. 2011 verloren sie nach Angaben von Hedge Fund Research im Schnitt fünf Prozent an Wert. Der breit gestreute US-Aktienindex S&P 500 warf dagegen gut zwei Prozent ab.
Hedge-Fonds rechnen Szenarien durch
Ein Aus der Euro-Zone in heutiger Form würde alle Vermögensverwalter vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Szenarien, die die Hedge-Fonds durchrechnen, reichen von massiven Einbrüchen am Aktien- oder Ölmarkt bis zu einer Rally beim Goldpreis. Sie stellen die Frage, was passiere, wenn bislang übliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Anlageklassen auf einmal nicht mehr greifen. Und sie holen alte Portfoliostrategien aus D-Mark- und Drachmen-Zeiten aus dem Keller und überlegen, inwieweit diese wieder funktionieren könnten.
"Jeder, der Risikopositionen verantwortet, spielt diese Szenarien durch", sagt Mark Wightman, Strategiechef für die asiatisch-pazifische Region beim IT-Dienstleister SunGard. Pleiterisiken und Erholungschancen ganzer Länder würden durchgespielt, und dann werde auch geschaut, welche Handelshäuser und Vermögensverwalter am meisten betroffen wären. "Die Szenarien werden ziemlich komplex und die Leute schauen sich alle möglichen Korrelationen an, um eine Idee von den zu erwartenden Konsequenzen zu bekommen."
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