Die große Unbekannte Amerika: Analysten sind uneins, ob die US-Wirtschaft 2012 schnell, langsam oder gar nicht wächst. Fondsmanager raten zur Vorsicht.
Die jüngsten Nachrichten aus den USA geben Anlass zur Hoffnung. Die Wirtschaft erholt sich laut aktuellem Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed schneller als erwartet. Es gebe Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaftslage nachhaltig bessere. Unabhängige Ökonomen bestätigen diese Einschätzung. So hat der Chefvolkswirt der Ratingagentur Moody's, Mark Zandi, seine Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft für 2012 nach oben korrigiert. Er geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 2,6 Prozent zulegen wird. Im vierten Quartal vergangenen Jahres war das US-BIP nach schwachen Vorquartalen bereits um drei Prozent gestiegen. Auch dem Arbeitsmarkt sagt Moody's eine stärkere Erholung als im vergangenen Jahr voraus. Bei der Bank Sarasin jubelt man bereits: "Die USA stehen vor einem Aufschwung."

Spiegelung an der Wall Street
Ganz so euphorisch sollte man die positiven Zeichen allerdings nicht interpretieren. Und so werden neben den vielen optimistischen Tönen zunehmend auch Stimmen laut, die davor warnen, die USA jetzt als Investmentregion hochzujubeln. "Die USA können nicht total unabhängig von der Euro-Zone wachsen", schränkt beispielsweise Thomas Berner, Analyst der Schweizer Bank
UBS, ein. Er ist überzeugt: "In diesem Jahr wird sich das Wachstum dort wieder verlangsamen." Für das laufende Quartal rechnet er mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent - nur noch halb so viel wie im vierten Quartal 2011. Bei der britischen Bank
HSBC rechnet man gar damit, dass die US-Volkswirtschaft über das gesamte laufende Jahr hinweg nur auf 1,5 Prozent Wachstum kommen wird. Einbußen bei den Exporten und ein schwacher privater Konsum würden den Aufschwung bremsen.
Angesichts der widersprüchlichen Prognosen geben sich viele Manager von US-Aktienfonds zurückhaltend und versuchen, aufkommende hohe Erwartungen auf Anlegerseite zu dämpfen. Bislang schnitten die Produkte zwar relativ gut ab. Die für deutsche Privatanleger erhältlichen Investmentfonds erzielten im vergangenen Jahr im Schnitt ein moderates Plus von 0,9 Prozent, zeigen Zahlen der Ratingagentur Morningstar. Zum Vergleich: Europa-Aktienfonds verbuchten im selben Zeitraum ein Minus von durchschnittlich elf Prozent. Ohne amerikanische Aktien hätten die globalen Märkte im vergangenen Jahr deutlich schlechter dagestanden, belegen auch Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor's.
Fondsmanager scheinen indes skeptisch, ob die Optimisten im laufenden Jahr Oberwasser behalten werden. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die freien Cashflow-Renditen sprechen für eine attraktive Bewertung amerikanischer Unternehmen", sagt Adrian Brass, Manager eines Amerika-Fonds bei der Investmentgesellschaft Fidelity. "Aber gleichzeitig sind die Gewinn- und Margenschätzungen schon ziemlich hoch." Experten gehen davon aus, dass die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 in diesem Jahr um zehn Prozent steigen werden, im nächsten Jahr gar um zwölf Prozent. Eine Schätzung, die sich vielleicht nicht halten lässt, fürchtet Brass. "Es besteht die Gefahr, dass die Prognosen nach unten angepasst werden."
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