Für Joep Huntjens sind Singapur, Hongkong und Südkorea längst keine Schwellenländer mehr. Vielleicht bestückt er deshalb seinen Fonds lieber mit asiatischen Rentenpapieren anstatt mit Hochzinsanleihen aus Europa.

Joep Huntjens, Fondsmanager bei ING Investment Management
Manchmal merkt Joep Huntjens gar nicht mehr, wie viel von Singapur schon in ihm steckt. Er streckt die Finger aus und nimmt die ihm angebotene Visitenkarte mit beiden Händen entgegen, vorsichtig, als wäre ihm gerade ein besonderer Schatz überreicht worden. Eine Geste, die typisch ist für die asiatische Etikette. Karte grabschen und ab damit in die ewigen Jagdgründe der Aktentasche, so wie es unter westlichen Managern üblich ist, gilt in Fernost als grob unhöflich. Spricht man Huntjens darauf an, lächelt er überrascht: "Ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich das mache."
Der gebürtige Niederländer ist seit anderthalb Jahren als Investmentmanager für asiatische Anleihen bei
ING zuständig. Mit seinem elfköpfigen Team, in dem er der einzige Europäer ist, analysiert er asiatische Staats- und Unternehmensschuldverschreibungen und managt den Rentenfonds
ING Asian Debt Hard Currency. Ein Exotenthema, das jedoch in Zeiten, in denen sich westliche Staaten mit ihren wuchernden Schulden herumschlagen, an Bedeutung gewinnt.
Eines will Huntjens gleich klargestellt haben: "Wenn Investoren Asien hören, denken sie an Schwellenländer. Doch das ist eben nicht dasselbe." Die Goldgräberstimmung an diesen Märkten sei zwar etwas abgeflaut, doch Volkswirtschaften wie Singapur, Hongkong oder auch Südkorea seien weit fortgeschritten in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Dafür vergeben Ratingagenturen wie S&P oder Moody's gern schon mal Investmentgrade-Noten, während sie in Europa damit zunehmend geizen. In den meisten Ländern der Region wird die Staatsverschuldung Prognosen zufolge 2012 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich weniger als 50 Prozent betragen.
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