Das Emissionshaus zahlt vergleichsweise geringe Provisionen – und legte beim Fondsabsatz im vergangenen Jahr kräftig zu.

Real IS
Seit Jahren stemmt sich das Emissionshaus
Real IS gegen die in der
Branche üblichen hohen Provisionen,
die Banken, Sparkassen und freien
Vermittlern zusätzlich zum Agio von
fünf Prozent für den Vertrieb geschlossener
Fonds gezahlt werden.
Seit über einem Jahrzehnt rücken die
auf Immobilienbeteiligungen spezialisierten
Münchner nur vier Prozent
des investierten Anlegerkapitals an
die Vertriebe heraus, um die Renditechancen
ihrer Kunden zu erhöhen.
Zum Vergleich: Schiffsfondsemittenten
haben nach Erhebungen der
Ratingagentur Scope ihre Provisionszahlung
von 2005 bis 2010 lediglich
von 12,9 auf im Schnitt 10,6 Prozent
gesenkt, Initiatoren inländischer Immobilienfonds
von 7,2 auf 5,5 Prozent.
Konkurrenten lächelten in der Vergangenheit
oft über den zur Sparkassen-
Finanzgruppe gehörenden bayerischen
Fondsanbieter. Schließlich
bewarben Vertriebspartner während
der Boomjahre der Beteiligungsmodelle
am liebsten jene Fonds, an deren
Vermittlung sie besonders gut verdienen
konnten. „Wir hätten früher deutlich
mehr Eigenkapital einwerben
können, wenn wir höhere Provisionen
gezahlt hätten“, so Andreas Heibrock,
Mitglied der Geschäftsleitung von
Real IS. Im vorigen Jahr allerdings
hatten die Bayern gut lachen: „Mit
319 Mio. Euro konnten wir 50,5 Prozent
mehr Anlegerkapital einsammeln
als im Vorjahr“, so Heibrock.
Real IS trotz dem Branchentrend
Branchenweit gingen die Absatzzahlen
deutlich zurück, weil in Schieflage
geratene Schiffsfonds und Angst
vor einem massiven Einbruch der
Realwirtschaft wegen der Euro-Krise
Anleger davon abhielten, geschlossene
Beteiligungsmodelle zu zeichnen.
Nach Zahlen des Verbands Geschlossene
Fonds (VGF) konnten dessen
Mitglieder in den ersten drei
Quartalen 2,53 Mrd. Euro Eigenkapital
einsammeln; ein Minus von fast
zwölf Prozent gegenüber den im Vorjahreszeitraum
platzierten 2,87 Mrd.
Der Erfolg des Emissionshauses
geschah in einem Jahr, in dem Anlegerschützer
massiv die hohen Provisionen
in der Branche gerügt hatten.
Viele Sparkassenberater dürften das
als Verkaufsargument für die neun
von Real IS 2011 platzierten Fonds
genutzt haben. „Wir raten Anlegern,
genau auf die Höhe der Provisionsgebühren
zu achten“, so Thomas Mai,
Finanzexperte der Verbraucherzentrale
Bremen. Niels Nauhauser, Anlageexperte
der Verbraucherzentrale
Baden-Württemberg, ergänzt: „Je geringer
die Provisionen sind, desto höhere
Renditechancen haben die Anleger,
weil mehr von ihrem Eigenkapital
in das Investmentobjekt fließt.“
Eine niedrige Provisionsgebühr
war 2011 indes kein Garant für den
Vertriebserfolg: Hannover Leasing
hatte im Mai mit dem Wachstumswerte
5 einen Fonds aufgelegt, der in
eine Büroimmobilie in Rotterdam investiert
und gar nur drei Prozent des
Anlegerkapitals als Provision an die
Vermittler weiterreicht. Bisher ist das
Beteiligungsmodell noch nicht vollständig
platziert. Vielleicht ist hier
Banken und Sparkassen die Marge
dann doch schlicht zu niedrig, um das
Produkt an den Anleger zu bringen.
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