In der Schuldenkrise strauchelnde Institute haben Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt auf Finanzwerten mit in die Tiefe gerissen. Nur ganz wenige Produkte konnten sich dem Sog im vergangenen Jahr entziehen.
Branchenfonds sind riskant, das wissen die meisten Anleger. Doch wenn sie einmal vor Augen geführt bekommen, was das in der Praxis bedeuten kann, ist meist ein flaues Gefühl im Magen die Folge.
Im vergangenen Jahr haben Finanzaktienfonds im Schnitt knapp 19 Prozent der Anlegergelder vernichtet, wie das aktuelle Morningstar-Rating zeigt. Fonds, die stattdessen das Vermögen auf Aktien von Unternehmen aus verschiedenen Branchen verteilen, haben deutlich besser abgeschnitten. So büßte der marktbreite Index MSCI World im gleichen Zeitraum nur 2,4 Prozent ein.

United Overseas Bank in Singapur
Im Jahr 2011 haben Anleger mit Aktienfonds, die in Finanzwerten investieren, also komplett auf das falsche Pferd gesetzt. Die Schreckensmeldungen aus der Finanzindustrie, ausgelöst durch die Euro-Schuldenkrise, rissen nicht ab und verstärkten den Eindruck, dass die Branche gehörig unter Druck steht. Zu allem Überfluss sehen sich Banken mit dem Umstand konfrontiert, dass Staaten die Finanzindustrie stärker regulieren wollen. Manche Institute haben bereits damit begonnen, sich aus kapitalintensiven Bereichen des Investmentbankings zurückzuziehen. Wie sehr die Branche auf Krisenmodus geschaltet hat, zeigen auch die Massenentlassungen bei Großbanken - in Europa wie in Amerika.
Kein Wunder, dass angesichts dieses Schlamassels die Kurse der Bankaktien in den Sturzflug übergingen. Dem Sog konnten sich auch viele Top-Fonds nicht entziehen, die Mehrheit der zehn bestplatzierten Produkte im aktuellen Rating verzeichnet für das vergangene Jahr hohe zweistellige Verluste. Nur zwei Fonds, die das Minus zumindest begrenzen konnten, stechen positiv hervor. Dem erstplatzierten Produkt der United Overseas Bank aus Singapur gelang das, weil die Portfoliomanager den Finanztiteln Aktien anderer Branchen beimischten, vor allem Konsumgüter- und Industriewerte. Der Fonds des österreichischen Vermögensverwalters Ringturm wiederum glänzte mit einem vergleichsweise geringen Minus, weil er vorwiegend in Aktien von Versicherern investiert. Und die zeigten sich zuletzt deutlich stabiler als Bankenpapiere.
Immerhin: Die durchschnittliche Drei-Jahres-Performance fällt bei den meisten Fonds im Rating noch positiv aus, weil die Kurse vor dem Absturz stark gestiegen waren. Doch das hohe Minus des vergangenen Jahres hat den Schnitt verdorben. Mit einem marktbreiten Investment hätten Anleger auch auf Drei-Jahres-Sicht besser abgeschnitten.
Die Portfoliomanager setzen derweil darauf, dass Finanzaktien aus Schwellenländern die Stimmung im Sektor aufhellen können. Gleichzeitig sehnen sie ein Ende der Krisenstimmung in Europa und den USA herbei. "Der Sektor scheint weiter sehr kostengünstig zu sein", bringt es Robeco-Manager Patrick Lemmens auf den Punkt. Soll heißen: Irgendwann muss es ja wieder aufwärtsgehen. Dass das mitunter ganz schnell passieren kann, war am Freitag zu beobachten. Da gehörten die Aktien von
Commerzbank und
Deutscher Bank zu den Anführern im
DAX. Der Grund dafür waren die erfolgreichen Anleiheemissionen Italiens und Spaniens sowie die günstige Geldleihe der EZB. Von einem Aufwärtstrend kann aber keine Rede sein.

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