Ein neuer europäischer Fonds will Investoren
die Gelegenheit bieten, mit
Anlagen in Kunstwerken Gewinn zu
machen. Der in Luxemburg ansässige
Art Collection Fund hat das Ziel, rund
60 Mio. Euro einzusammeln. Er stellt
jährliche Erträge von zwölf Prozent in
Aussicht. Ankaufen will der Fonds
über einen Zeitraum von vier Jahren
moderne, zeitgenössische und Stammeskunst
von hoher Qualität. Nach
sechs Jahren oder früher sollen die
Werke durch Privatverkäufe oder Auktionen
wieder veräußert werden.
„Der Fonds ist für Leute gedacht,
die in Kunst investieren wollen, die
aber nicht die Zeit haben, selbst
Kunstwerke zu sammeln“, sagt Gründer
Stanislas Gokelaere: „Wir wollen
ihnen diese Welt näherbringen und
etwas Sachverstand vermitteln.“
Die Mindesteinlage für den Fonds,
der offiziell im April lanciert werden
soll, beträgt 500 000 Euro. Die Managementgebühr
liegt bei zwei Prozent
im Jahr, zudem sollen Investoren
20 Prozent ihres Nettoertrags zahlen.
Bisher liegen Gokelaere zufolge von
Anlegern aus Belgien, der Schweiz,
Luxemburg, Italien und Großbritannien
unbestätigte Mittelzusagen von
10 Mio. Euro vor, rund die Hälfte des
angestrebten Anfangsvolumens. Die
Investoren können sich auch Werke
im Wert ihrer Einlage ausleihen und
bei sich zu Hause aufbewahren.
Der internationale Markt für
Fonds, die in Kunst investieren, hatte
2011 ein Volumen von 960 Mio. Dollar,
2010 waren es 760 Mio. Dollar, so
eine Studie von Deloitte Luxemburg
und dem Londoner Datenanbieter Arttactic.
Institutionelle Investoren sind
dem Kunstmarkt gegenüber nach wie
vor skeptisch. Sie verweisen auf fehlende
Liquidität, mangelnde Transparenz,
große Volatilität und hohe
Transaktionskosten. Einige wohlhabende
Privatinvestoren sehen Kunst
als Anlageklasse positiver. Sie haben
registriert, dass die Preise für Werke
einiger Künstler nach den Tiefständen
des Jahres 2009 kräftig geklettert sind.
Anleger versuchen verstärkt zu diversifizieren,
seit die Erträge an den Finanzmärkten
und im Immobiliensektor
spärlicher ausfallen. In der Vergangenheit
taten sich Fonds, die in Kunstwerke
als alternative Anlageklasse investieren,
oft schwer – sei es mit dem
Einsammeln von Geld, sei es als zuverlässige
Ertragsbringer.
„Das Klima für Fonds ist so günstig
wie schon eine ganze Weile nicht
mehr“, sagt Anders Petterson, Gründer
von Arttactic. Die Vorstellung,
dass Kunst eine Anlageklasse ist, gewinne
an Akzeptanz. „Die Fonds stellen
sich darauf ein, dass sie Teil des
Ökosystems und nicht bloß Parasiten
sind. Sie bieten vermögenden Menschen
die Möglichkeit, Teil dieses Lebensstils
zu sein“, so Petterson. Laut
Studie sind in der ersten Hälfte 2011
rund 25 Kunstfonds auf den Markt gekommen,
die meisten in China.
Luxemburg ist dabei, sich als Drehscheibe
für die Investments zu etablieren.
Die Steuern sind niedrig, und
Gokelaeres Fonds gesellt sich zu ähnlichen
Anlagevehikeln, die auf Weine,
Uhren oder Schmuck spezialisiert
sind. „Es ist sozusagen das Backoffice
der Welt der Kunst“, sagt Gokelaere:
„London und New York bleiben das
Frontoffice.“
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