Für die
Citigroup ist die seit den 50er-Jahren herrschende große Zeit der Aktien vorbei. Dagegen warnt die Versicherungsgesellschaft
Axa vor dem Platzen der Bondblase. Beide blicken mit Spannung auf US-Präsident Obama.
Aus Sicht der
Citigroup geht der "Aktienkult" zu Ende. "Die Zeit, während der Investoren Aktien gegenüber Anleihen bevorzugten, ist vorbei", schreibt Citigroup-Stratege Robert Buckland in einem Researchbericht. Festverzinsliche Wertpapiere hätten von diesem Trend profitiert und besser abgeschnitten als Aktien.
Buckland untermauert seine These mit dem Hinweis auf Dividendenrenditen. Bei amerikanischen, britischen und japanischen Aktien übertraf sie in den vergangenen drei Jahren die Rendite zehnjähriger Treasuries. Dabei bezieht sich der Citigroup-Experte auf Gewinnausschüttungen von Unternehmen im S&P 500, FTSE 100 und Nikkei 225.
Die Dividendenrendite drückt die Dividende als Anteil am Aktienkurs aus. Sie ist eine der klassischen Kennzahlen zur Bewertung einer Aktie. Dabei gilt vereinfacht: Je höher die Dividendenrendite, desto attraktiver ist die Aktie. Je tiefer der Wert, desto größer ist die Gefahr einer Überbewertung des Anteilsscheins.
Pensionsfonds und Privatinvestoren reduzieren Aktienengagement
Laut Citigroup-Stratege Buckland fiel die Dividendenrendite in den USA in den 50er-Jahren erstmals unter die Rendite von Staatsanleihen und Unternehmensbonds mit dem Spitzenrating "AAA". Damals sei der "Aktienkult" begründet worden. Seit einem Jahrzehnt jedoch würden Pensionsfonds und Privatinvestoren wegen größerer Kurseinbrüche - und schwankungen ihr Aktienengagement hinterfragen und teilweise reduzieren. Das führe zu niedrigeren Dividendenrenditen - und zu einer höheren Bewertung von Anleihen.
Aus Sicht Bucklands ist die Flucht von Aktien in Anleihen noch nicht abgeschlossen. "Es könnten noch größere Verkäufe von institutionellen Investoren im großen Stil erfolgen", schreibt der Citigroup-Stratege. US-Pensionsfonds müssten Aktien im Wert von 1900 Mrd. Dollar abstoßen, um den Aktienanteil im Portfolio auf 20 Prozent zu senken. Das entspräche der Gewichtung vor den 50er-Jahren.
Anleihen profitieren von der Deflationsangst der Anleger
Anleihen sind in diesem Jahr extrem gefragt. Anleger hinterfragen die Erholung in den USA und flüchten sich aus Angst vor einer Deflation in Staatspapiere. Während der S&P 500 seit Jahresbeginn knapp ein Prozent verlor, legten die Kurse von Staatsanleihen extrem zu. Die Rendite von zweijährigen Treasuries fiel am 24. August auf das Rekordtief von 0,45 Prozent. Bei zehnjährigen Papieren ging sie am 25. August auf 2,42 Prozent zurück. Kurse und Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig.
Allerdings mehren sich die Stimmen, die vor einer Anleiheblase warnen. Zu den Mahnern zählt Mark Tinker, Aktienstratege bei
Axa Framlington, einer Tochter des französischen Versicherungskonzerns
Axa. "Der Bondmarkt befindet sich in einer Blase. Das ist eine Kombination aus Käufern, die nicht anders können, Akteure, die rein das Momentum ausnutzen, und eine hohe Verschuldung", sagte Tinker. "Wenn die USA mit einem Konjunkturpaket nachlegen, dann könnten Anleiheinvestoren sich verabschieden. Das würde wiederum für Aktien sprechen."
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