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Hotelimmobilien Ende der Hochsaison

[15:13, 25.08.11]


Die mauen Konjunkturaussichten machen der Hotelbranche Sorgen. Sie fürchten einen Rückgang bei Geschäftsreisen. Erste Investoren verkaufen bereits ihre Immobilien.


Die Staatsschuldenkrise dämpft den Appetit institutioneller Investoren auf Hotelimmobilien. Erste Gesellschaften beginnen, die Bettenburgen zu veräußern. Sie fürchten, dass die Sparprogramme der Regierungen auf die Realwirtschaft durchschlagen werden. "Bei einem Konjunktureinbruch setzen Unternehmen bei Geschäftsreisen als Erstes den Rotstift an", sagt Ursula Kriegl, Leiterin der Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle (JLL) Hotels in Deutschland.

Ein Abschwung am Hotelmarkt würde auch Privatanleger treffen. Geschlossene Immobilienfonds haben mehr als 4 Mrd. Euro in Hotels investiert. Bei den offenen Immobilienfonds entfielen nach einer Studie des Branchenverbands BVI Ende vergangenen Jahres 3,8 Mrd. Euro des gesamten Immobilienvermögens von 94,3 Mrd. Euro auf Hotels. Besonders stark sind zwei Fonds des Anbieters Union Investment Real Estate (UIR) in dem Marktsegment investiert: Beim 6,85 Mrd. Euro schweren Uniimmo Deutschland beträgt der Hotelanteil 15,6 Prozent, beim 7,4 Mrd. Euro umfassenden Uniimmo Europa sind es 7,9 Prozent.

In Nordamerika geht bereits die Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft um: Eine Reihe angelsächsischer Investoren hat begonnen, ihre Hotelportfolios deutlich zusammenzustreichen. Die kanadische Pensionskasse Caisse de dépôt et placement du Québec hat jüngst ihre Anteile an fünf Westin-Hotels zu einem nicht genannten Preis veräußert. Der US-Investor Supertel Hospitality verkaufte in den vergangenen Wochen 15 Hotels. Der US-Trust Hersha Hospitality kündigte jetzt an, gleich 18 Objekte abstoßen zu wollen.

In der ersten Hälfte dieses Jahres waren Hotels bei Anlegern noch gefragt. Nach einer Studie von JLL erwarben Investoren weltweit Bettenburgen im Wert von 14,8 Mrd. Dollar, mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr. So auch in Deutschland: "Die äußerst positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führten 2010 zu guten Betriebsergebnissen bei den Hotels und zu einem mehr als doppelt so hohen Investitionsvolumen wie im Vorjahr", sagt Olivia Kaussen, Leiterin für Hotelimmobilien beim Maklerhaus CBRE Deutschland.

Schwächt sich die Wirtschaft nun wieder ab, könnte das die Branche - wie in früheren Krisen - empfindlich treffen. Wie sehr die Hotelmärkte von der Konjunktur abhängen, zeigen die rückläufigen Übernachtungszahlen japanischer Geschäftsleute in Europa 2010. "Durch die schwächelnde Wirtschaft in Japan nahm das Volumen der Geschäftsreisen aus diesem Land ab", sagt Falk Laudi, Berater bei Hotour Hotel Consulting. Gefahr droht nun durch die Auswirkungen der Schuldenkrise in Südeuropa. "Die Übernachtungsnachfrage aus Spanien am deutschen Hotelmarkt hat in der vergangenen Dekade um 170 Prozent zugelegt", sagt Laudi. Zudem seien 2010 rund 1,7 Millionen Übernachtungen auf italienische Besucher entfallen. Laudi: "Das waren knapp doppelt so viele wie vor zehn Jahren."

Dass sich einige Fonds nun der Objekte entledigen, ist laut Experten keine schlechte Taktik. Der Verkaufszeitpunkt sei gut gewählt, meint Kriegl von JLL. "Die Hotelmärkte leiden bislang nicht unter der Krise." Nicht nur aus diesem Grund ließen sich noch gute Preise erzielen: "Wegen der Finanzkrise sehen viele Akteure jede Form von Immobilien langfristig als sicheres Investment an."

Union Investment will weitere europäische Hotels für ihre Fonds einkaufen. "Wir wollen die Portfolios punktuell erweitern", sagt Marketingchef Fabian Hellbusch. Risiken sieht der Fondsanbieter nicht. Investiert werde nur in Objekte, die langfristig an Topbetreibergesellschaften vermietet seien, sagt Hellbusch. "Mit dieser Strategie haben wir auch die schwierige Phase in 2008 und 2009 am Hotelmarkt gut überstanden."


 

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