Manch Vorstand und Analyst wird den Wetterbericht derzeit genau verfolgen. Schließlich wirkt sich das Wetter indirekt auch auf die Börsenkurse aus. Ein milder Winter sorgt beispielsweise für eine geringe Energie- und Streusalznachfrage. Auch Winterreifenhersteller, Spediteure, Einzelhändler oder Agrarkonzerne tragen ein Wetterrisiko. Allerdings sind die Temperaturen lediglich eine Einflussgröße von vielen - Anleger sollten stets das ganze Geschäftsmodell eines Unternehmens im Auge behalten.
Bei nahezu frühlingshaftem Wetter wie zuletzt in vielen Teilen Deutschlands frohlockt vor allem die Baubranche. Die Auftragsbücher sind "ganz gut gefüllt", verkündete der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes kürzlich. Das kommt Unternehmen wie
Bilfinger Berger zugute: Die Bausparte erzielt mehr als 80 Prozent der Umsätze in Europa; aber auch im Geschäftsfeld Services stehen Montagearbeiten auf der Tagesordnung, sodass mildes Klima von Vorteil ist. Noch hält sich Bilfinger zum Verlauf des vierten Quartals bedeckt, die vorläufigen Zahlen für 2011 sollen am 13. Februar veröffentlicht werden.
Doch dürfte die Wetterlage das Geschäft positiv beeinflusst haben. Investoren haben sich bereits in Stellung gebracht: Seit Anfang November lässt der Titel die Konkurrenz deutlich hinter sich. Während
Hochtief und Bauer um mehr als ein Zehntel nachgaben, legte Bilfinger um sechs Prozent zu. Nicht nur der saisonale Effekt spricht für Bilfinger: Nach der Umstrukturierung ist der Konzern weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Der Vorstand hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, bis 2016 soll der Umsatz verdoppelt werden.
Anleger, die auf anhaltend milde Temperaturen setzen möchten, können den breit diversifizierten Index-Tracker der
Commerzbank (ISIN DE000DR0REF0) auf den DAXSector Construction ins Auge fassen. Das Zertifikat kommt ohne jährliche Gebühren aus, verfügt über einen geringen Spread von 0,05 Prozent und berücksichtigt die Dividenden.
Auf Regen statt Eis hoffen die Logistikkonzerne. Freie Straßen bedeuten mehr Umsatz und Gewinn für die Spediteure. Die weltweite Nummer eins unter den Brief-, Paket- und Frachtbeförderern, die
Deutsche Post, brachte im Weihnachtsgeschäft 17 Prozent mehr Pakete als im Vorjahr ans Ziel. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht. Vor allem die niederländische Post TNT, die in Europa strategisch ähnlich positioniert ist, macht den Bonnern das Leben schwer. 2011 haben die Niederländer den Logistikarm TNT Express abgespalten und ihm eine eigene Börsennotiz verpasst. Zwar ist der Kurs aufgrund schwächerer Umsätze als erwartet nach neun Monaten stark zurückgegangen, doch mittlerweile hat sich ein Boden gebildet. Im vierten Quartal besteht die Chance, positiv zu überraschen, was der Aktie einen Schub geben könnte. Anleger sollten sich auf die Lauer legen und die Meldungen von TNT genau verfolgen.
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