Finale

Finale Anlagehorizont von mindestens 30 Jahren

[13:15, 24.11.10]


Michael Mewes

Alter: 47 Jahre

Position: Leiter des Anleiheteams bei  JP Morgan in Frankfurt

Karriere: Studium an der European Business School, Fondsmanager bei DWS Investments, Verwalter internationaler und DM-denominierter Portfolios für Commerz International Capital ­Management, seit 1996 bei  JP Morgan

Privat: verheiratet, zwei Kinder, Hobby-Bergsteiger und Extremläufer


Wann und womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Tennistrainer der lokalen Seniorinnen­mannschaft.

Was war Ihr erstes Investment?

Ein Konto beim Finanzdienstleister Dean Witter, bei dem ich vor allem mit Aktien­optionen agierte. Eine steile Lernkurve für wenig Geld!

Was war Ihr bislang bestes Investment?

Die strategischen Investments nach meinen ersten Berufserfahrungen: Ich habe in Schwellenländer- und Hochzinsanleihen angelegt.

Was war Ihr schlechtestes Investment?

Einige Aktienoptionen – mit US-Werten Mitte der 80er-Jahre und Anfang der 90er-Jahre mit japanischen Covered Warrants –, die zu ersatzlosen Ausbuchungen führten.

Was ist Ihr Anlagemotto?

Früher: No risk, no fun. Seit Mitte der 90er: strategisch anlegen – mit einem Anlage­horizont von mindestens 30 Jahren.

Wer ist Ihr Vorbild?

Reinhold Messner. Er hat riskante Bergtouren meist gut geplant und erfolgreich abgeschlossen und ist trotz aller Unwägbarkeiten immer noch dabei.

Wie erklären Sie Kindern die Märkte?

Das hat bei meinen sieben Jahre alten Zwillingen noch ein wenig Zeit. Dann gibt es auch hoffentlich wieder Renditen, die es erleichtern, den Nutzen des Sparens zu erklären – und sich damit gegen die Reize von Süßigkeiten und Barbies durch­zusetzen

Wo steht der DAX in einem halben Jahr?

Bei 6959 Punkten – das ist zumindest mein persönlicher Gipfelpunkt am Berg. Und auch ohne zu sportlich sein zu wollen, sind plus fünf Prozent in sechs Monaten realistisch. Das makroökonomische Top-down-Bild sollte beständig bleiben – Bottom-up-Überraschungen erwarten wir kaum.

Woran erkennt man Ihren Schreibtisch?

An den Bildern meiner Kinder und einiger Berggipfel.

Wobei entspannen Sie sich?

Kurzfristig am besten in der Kletterhalle. Und falls mehr Zeit ist: beim Ultralang­streckenlauf um den Montblanc.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Für die Ausbildung meiner Kinder.

Fragen der Leser an Michael Mewes

Rover Grohmann:

Bergen Anleihen aus den Piigs-Staaten mehr Risiken oder mehr Chancen?

Sie bergen vor allem ein politisches Risiko. Wer in diese Länder investiert, setzt auf ihren langfristigen Willen, den Sparkurs durchzuziehen, auf einen Zusammenhalt der Euro-Zone und auf eine Rückkehr des Investorenvertrauens.

Oliver Schär:

Wann sind Unternehmensanleihen Staatsanleihen vorzuziehen?

Innerhalb eines Landes nur dann, wenn die Einkünfte überwiegend im Ausland generiert werden und nötigenfalls auch vor dem Zugriff des Staates geschützt sind.

Justus Meyer:

Steht uns eine Blase am Aktienmarkt bevor?

Nein. Die Renditen der Staatsanleihen sind durch expansiv agierende Zentralbanken bis weit ins Jahr 2011 festgezurrt, und die Spreads sind noch attraktiv.



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