Finale

Finale "Wenn Gier das Gehirn frisst"

[12:15, 12.10.11]


Jörg Krämer

Alter: 45 Jahre

Position: Chefvolkswirt  Commerzbank

Karriere: Der studierte Volkswirt promovierte während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Nach Stationen bei  Merrill Lynch, Invesco und der ­HypoVereinsbank steuert er seit 2006 von ­Frankfurt aus als Chefvolkswirt und Bereichs­vorstand das Research der  Commerzbank

Privat: verheiratet, zwei Söhne, in seiner ­Freizeit liest und wandert er gern


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

1984 als Ferienarbeiter in einem Sägewerk im Siegerland. Damals gab es pro Stunde 5 D-Mark.

Wofür haben Sie es ausgegeben?

Ich habe das Geld gespart.

Was war Ihr erstes Investment?

Eine Hi-Fi-Anlage von Sony im Jahr 1983.

Was war Ihr bislang bestes Investment?

Da ich es noch halte, spreche ich nicht darüber.

Was war Ihr schlechtestes Investment?

Japanische Nebenwerte, gekauft im Frühjahr 2000. Als im Grunde kritischer Volkswirt hatte ich aber nur eine homöopathische Dosis erworben. Seitdem weiß ich, wie es ist, wenn Gier das Gehirn frisst.

Was ist Ihr Anlagemotto?

Hüte dich vor spekulativen Blasen!

Macht Geld glücklich?

Ich halte es mit dem Grundsatz: Geld ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Geld.

Wer ist Ihr Vorbild?

Ich bewundere Menschen, die eigene ­Unternehmen aufgebaut haben.

Wie erklären Sie Kindern die Märkte?

Mit dem Gebrauchtwagenhandel. Billig einkaufen und teuer verkaufen, ohne den Hof mit Gebrauchten zuzustellen.

Wo steht der DAX in einem halben Jahr?

Entweder steht der DAX unter 4000 oder über 7000 – je nachdem, ob die Schuldenkrise eskaliert oder nicht.

Welches Investment würden Sie für Ihre Kinder oder Patenkinder tätigen?

Aktien, nicht nur weil sie niedrig bewertet sind, sondern auch, weil Realwerte dahinterstehen, die Krisen und Inflation widerstehen können.

Wenn Sie heute 1000 Euro ausgeben sollten, was würden Sie kaufen?

Geld ausgeben zu „müssen“ ist ein schrecklicher Gedanke.

Woran erkennt man Ihren Schreibtisch?

Daran, dass ich dahintersitze – sonst ist der Schreibtisch so wie jeder andere.

Wobei entspannen Sie sich?

Beim Lesen und Wandern.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Für ein gutes Essen.

Fragen der Leser an Jörg Krämer

Christin Werne:

Welche Folgen hat es, wenn Griechenland aus dem Euro geworfen wird?

Mitglieder können nicht aus der Währungsunion ausgeschlossen werden, nur selbst austreten. Jeder würde mit der Rückkehr zur schwachen Drachme rechnen und sich sein Euro-Guthaben bar auszahlen lassen. Den Bank-Run übersteht kein Finanzsystem.

Ante Pavlovic:

Rutscht unsere Volkswirtschaft erneut in eine Rezession?

Für den Euro-Raum erwarten wir eine Rezession, die sehr wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft würde vorbeischrammen. 2012 sehen wir ein Wachstum von 0,8 Prozent.

Rover Grohmann:

Ist ein Ende der negativen Realzinsen in Sicht?

Die Zinsen dürften noch länger niedriger sein als die Inflation. Das liegt auch an der EZB, die sich um die Konjunktur sorgt und vermutlich ihren Leitzins wieder senkt.

 



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