Aktien

Leserfrage Warum senkt die Commerzbank ihren rechnerischen Wert?

[10:30, 18.05.11]


Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten - in diesem Fall unser Redakteur Erich Gerbl (Foto) auf die Frage von Ralf Seidler aus Bochum.


Die  Commerzbank ist nicht nur an der Börse ziemlich am Boden. Auch der rechnerische Wert der nennwert­losen Stückaktien wird herabgesetzt: Der Anteil einer Aktie am Grundkapital geht von 2,60 Euro auf 1 Euro zurück. Das macht Deutschlands zweitgrößte Bank nicht zum Spaß, sondern aus der Not heraus. Hintergrund ist die gerade laufende Kapitalerhöhung, die größte der deutschen Unternehmensgeschichte. Sogenannte Unterpari-Emissionen sind verboten. Das bedeutet: Der Preis der neuen Aktien, die im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden, darf nicht unter dem rechnerischen Nennbetrag liegen. Der bisherige Nennbetrag von 2,60 Euro könnte der  Commerzbank bei der anstehenden Kapitalaufstockung im Wege stehen. Denn die Notierung nähert sich der 4-Euro-Marke. Setzt man den üblichen Abschlag von 30 Prozent an, ergibt sich ein Kurs der neuen Papiere bei 2,80 Euro. Das ist bedenklich nahe am bisherigen rechnerischen Wert von 2,60 Euro. Ein weiterer Kursrutsch könnte eine Absenkung des Ausgabepreises der neuen Aktien erfordern. Durch die Reduzierung des rechnerischen Wertes kann die  Commerzbank die neuen Papiere für nur 1 Euro feilbieten.

Der Startschuss der Kapitalerhöhung soll zwischen dem 23. und 27. Mai fallen. Am Umfang der Aufstockung, bei der die Aktionäre der Bank ein Bezugsrecht erhalten, ändert der Preis nichts. Konsortialbanken haben den Erlös vorab garantiert. Die Zahl der Aktien wird so festgelegt, dass die  Commerzbank mit dem Schritt die Summe am Kapitalmarkt einsammeln kann, die sie für die Rückzahlung der Staatshilfen braucht. Bis Juni will Commerzbank-Chef Martin Blessing 14,3 Mrd. Euro der aktuell 16,2 Mrd. Euro an stillen Einlagen des staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabili­sierung (Soffin) zurückzahlen. Der Staat pumpte während der Finanzkrise in Form von stillen Einlagen und Aktienkäufen insgesamt 18,2 Mrd. Euro in die Bank.

Leidtragende der Kapitalmaßnahme sind die Aktionäre, da sich mit der drastisch steigenden Aktienzahl der Wert ihrer Anteile enorm verwässert. 5,7 Mrd. Euro holte sich die  Commerzbank bereits über eine Pflichtumtauschanleihe. Die Anleihe wird in diesen Tagen in Aktien gewandelt. Die Zahl der Aktien, die bisher bei 1,33 Milliarden lag, verdoppelt sich dadurch. Um mit dem zweiten Teil der Kapitalmaßnahmen an die noch ausstehenden 5,3 Mrd. Euro zu kommen, müsste die  Commerzbank bei einem Ausgabepreis von beispielsweise 2,50 Euro 2,1 Milliarden Aktien ausgeben, was die Gesamtzahl der Papiere auf 4,7 Milliarden steigen ließe. Das wären dreieinhalbmal so viele wie bisher. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Bewertung und die Dividendenpolitik: Gewinn und Ausschüttungssumme verteilen sich auf eine stark erhöhte Aktienzahl.

Abgesehen von Kapitalerhöhungen hat der Nennwert wenig Bedeutung. Er gibt an, mit welchem Anteil der Aktionär am Grundkapital der Aktiengesellschaft beteiligt ist. Nach dem Aktiengesetz ist der geringste Wert 1 Euro.

 


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