Wie erklären sich
bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch
wird das Börsengeschehen
beeinflusst?
Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten - in diesem Fall unsere Mitarbeiterin Nele Husmann (Foto) auf die Frage von Karlheinz Fritsch aus Erlangen.
Am 11. Juli beginnt in Amerika die Berichtssaison für das zweite Quartal des laufenden Jahres. Traditionell meldet der Aluminiumkonzern
Alcoa dann als erstes Unternehmen sein Ergebnis für die drei Monate bis zum 30. Juni. In den vergangenen Quartalen überraschten die Unternehmen mit Gewinnen, die teilweise deutlich besser als vermutet ausfielen.
Eine Factset-Umfrage unter amerikanischen Analysten ergab, dass sie für das zweite Jahresviertel im Mittel mit einer Ergebnissteigerung von 14,6 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert rechnen. Dabei dürfte der Umsatz im Vergleich zum zweiten Quartal 2010 um 10,4 Prozent zugelegt haben. Oft zeigt sich der Markt schon vor den tatsächlichen Veröffentlichungen in guter Laune. „Die Quartalszahlen könnten eine kurzfristige Rally entgegen dem größeren Trend bringen“, glaubt Sam Stovall, der Chefinvestmentstratege von Standard & Poor’s.
Eine genauere Analyse zeigt allerdings, dass der Energiesektor mit Aktien wie
BP,
Exxon Mobil, ConocoPhillips,
Chevron und Marathon Oil für den Löwenanteil des Zuwachses verantwortlich ist – dem höheren Ölpreis sei Dank. Rechnet man den Energiebereich heraus, schrumpfen die Gewinne der verbleibenden neun Branchen des S&P 500 um 0,5 Prozent. Der Umsatz ohne Energiesparte ist gemäß den Schätzungen nur um 0,8 Prozent gestiegen. Die Unterbrechungen der Lieferketten durch das Erdbeben in Japan und die Unruhen im Nahen Osten haben sich negativ auf die Unternehmensprofite ausgewirkt.
Ein gutes Zeichen für die anstehende Ertragssaison ist allerdings, dass bislang große Gewinnwarnungen ausgeblieben sind. „Gäbe es wirklich schlechte Nachrichten“, glaubt Jack Caffrey, Privatbank-Aktienstratege von
JP Morgan, „hätten die Unternehmen das schon bekannt gegeben.“ Die Meldung des Sportartikelherstellers Nike, der starke Erlöszuwächse sowohl in Amerika als auch in China vermeldete, bestärkt das Feld der Optimisten: „Das ist eine große Sache“, sagt Tim Holland, Portfoliomanager der Aston/Tamro-Fonds. Denn Nike gilt als Paradebeispiel einer zyklischen Aktie und macht Hoffnung, dass sich solche Firmen dem Strom negativer Fundamentaldaten entziehen konnten.
Viele Strategen schauen schon direkt weiter ins dritte Quartal. Stovall warnt zwar, dass das dritte Quartal am Aktienmarkt historisch gesehen schwach ist. Allerdings befinden sich die USA im dritten Jahr des Präsidentschaftszyklus, das Aktien unter die Arme greift und die Kurse im Schnitt um 1,9 Prozent steigen lässt. Für das Gesamtjahr sollten die Gewinne um 13 Prozent wachsen, besagt eine Umfrage von CNNMoney.com unter Marktteilnehmern. Sie erwarten, dass die S&P-500-Unternehmen 2011 rund 95 Dollar je Aktie verdienen. „In den gesamten vergangenen fünf Jahren gab es keine glänzenden markroökonomischen Daten“, sagt Michael Church, Chef von Addison Capital. „Dennoch haben sich die Firmen in dem Umfeld extrem gut geschlagen. Es gibt keinen Anlass zu zweifeln, dass sie das weiter schaffen können.“

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