Wie erklären sich
bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch
wird das Börsengeschehen
beeinflusst?
Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten - in diesem Fall unsere Mitarbeiterin Antonie Klotz (Foto) auf die Frage von Bernhard Kessler.
Das Statement sitzt: „Die Mehrheit der Anleger in DAX-Hebelprodukten liegt mit ihrer Markterwartung regelmäßig falsch“, heißt es in einer Pressemitteilung von
HSBC Trinkaus und Scoach, dem Handelssegment für Derivate an der Frankfurter Wertpapierbörse. Beide Häuser hatten die Put-Call-Ratio, sprich das Verhältnis von gehandelten Puts zu Calls, für Hebelpapiere auf den DAX gemessen und mit der DAX-Entwicklung am jeweiligen Handelstag verglichen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine Ratio von 60 Prozent als Kontraindikator dient.
Doch wie wird die Ratio errechnet? „Ins Verhältnis gestellt werden dabei die jeweils an dem Tag bislang gehandelten Puts und Calls“, erklärt Heiner Seidel, Pressesprecher der Terminbörse Eurex. Werden am Markt also genauso viele Puts wie Calls umgesetzt, beträgt die Ratio 1,0. Überwiegt hingegen die Zahl der Calls und werden beispielsweise 33000 Puts und 55000 Calls gehandelt, beträgt sie 0,6 oder 60 Prozent. Irritiert hat so manchen Marktbeobachter, dass im März und April der Quotient für den DAX teilweise auf 2,5 und höher gestiegen war. Das bedeutet, dass 2,5-mal mehr Puts als Calls den Besitzer wechselten. An sich lässt sich daraus eine negative Markteinschätzung ablesen, da Puts stark gefragt sind. Gemeinhin werden Werte über 1,5 bei Indizes als pessimistisch und eine Ratio unter 0,8 als optimistische Markteinschätzung interpretiert.
Doch daraus Handelsstrategien abzuleiten ist gefährlich. Denn in der Praxis funktioniert der Indikator nicht immer. Oft hat eine vorsichtige Haltung der Marktteilnehmer weiter steigende Kurse zur Folge und umgekehrt. Zum anderen verfolgen die Akteure an den Terminmärkten mitunter unterschiedliche Interessen und kaufen beispielsweise Calls, während sie gleichzeitig Future-Kontrakte verkaufen, oder handeln Puts und Calls gleichzeitig, aber mit anderer Laufzeit oder auf verschiedene Basiswerte. Das verzerrt das Bild.
Der Vergleich von DAX-Performance mit der Put-Call-Ratio bei Hebelpapieren durch
HSBC und Scoach hinkt insofern, da die Zahlen nur einmal täglich ausgewertet wurden und aktive Trader ihre Positionen nur wenige Minuten halten. Die Terminbörse Eurex, an der professionelle Trader agieren, veröffentlicht die Daten für die am Terminmarkt gehandelten Kontrakte im Internet zeitnah und detailliert. Mit 15 Minuten Zeitverzögerung gibt es für jeden Basiswert und jede Fälligkeit die aktuelle Ratio sowie die Handelsdaten; für den DAX beispielsweise unter www.eurexchange.com > Handel > Produkte > Aktienindexderivate > DAX > ODAX > Preise/Quotes. Börse Online veröffentlicht die Ratio für die an der Terminbörse Eurex gehandelten Puts und Calls wöchentlich auf der ersten Seite der Datenbank.
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