Wie erklären sich
bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch
wird das Börsengeschehen
beeinflusst?
Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten - in diesem Fall unser Redakteur Martin Reim (Foto) auf die Frage von Dietrich Gläser aus Gottmadingen.
Gold und Silber sind bei Anlegern in Mode, die Notierungen klettern auf immer neue Rekordstände. Doch es gibt auch eine dunkle Seite des Booms: Bei der Herstellung der Edelmetalle liegt vieles im Argen. „Die Verwüstung großer Flächen und der Einsatz giftiger Chemikalien gehören zur Produktionskette“, mahnen die Experten des Forschungsinstituts Südwind. Zudem bedienen sich Rebellen in einigen Staaten des Goldabbaus, um Kriege zu finanzieren, in anderen sichern diktatorische Regime ihre Herrschaft mit den Einnahmen aus der Goldförderung. „Außerdem gibt es Millionen Kleinschürfer, die unter verheerend schlechten Bedingungen arbeiten“, kritisiert Südwind.
Bei Silber sieht es kaum besser aus. Hier gibt es ähnliche Probleme. Es kommt, wie auch bei Gold, beim Abbau üblicherweise hochgiftiges Zyanid zum Einsatz. Ein weiteres Problem taucht auf, wenn Silber als Nebenprodukt anderer Metalle, beispielsweise Blei, gewonnen wird. Dann kann sich das hochgiftige Material mit Sauerstoff verbinden und die Umwelt weiter belasten.
Bei der Produktion handelsüblicher Barren finden solche Aspekte kaum Berücksichtigung, betont Südwind. Zwar gebe es Übereinkünfte großer Minen, die gröbsten Auswüchse zu verhindern. Doch seien keine klaren Sanktionen bei Verstößen bekannt. Mögliche Alternative: Barren komplett aus recyceltem Material. Allerdings seien diese zumindest bei namhaften Anbietern nicht erhältlich, sagt ein Sprecher des Edelmetallspezialisten Heraeus.
Es gibt zumindest ein Unternehmen in Deutschland, das nachhaltig produziertes Gold und Silber in Barrenform anbietet: die Spezialfirma Fair Trade in Gems and Jewelry aus Münster (www.faire-edelsteine.de). „Ich gebe das Gießen bei externen Anbietern in Auftrag“, erklärt Inhaber Thomas Siepelmeyer. Der Verkaufspreis seines Goldes liege um etwa 20 Prozent über dem Marktpreis – je größer die Abnahme, desto geringer ist der Aufschlag. Bei Silber sei die Aufzahlung etwas höher. Außerdem kommt hier noch die Mehrwertsteuer hinzu, die bei Gold nicht fällig wird.
Das Gold stammt laut Siepelmeyer aus argentinischen Minen und wird dort lediglich mithilfe der Schwerkraft gewonnen, also ausgewaschen. Gleichzeitig ist das Existenzminimum der Goldwäscher gesichert. Das Silber kommt von der bolivianischen Altiplano-Hochebene, wo jahrhundertelang Bergbau betrieben wurde. Die Abraumhalden enthalten immer noch viel Metall. Familien und Kooperativen sammeln Material aus den Halden, verarbeiten es weiter und renaturieren die Flächen.
Es existiert aber noch eine weitere Möglichkeit, nachhaltig hergestelltes Gold zu kaufen, allerdings nicht in Form von Barren, sondern als Nuggets. Die Edelsteinhändlerin Jutta Werling-Durejka aus Überlingen (www.aurumrhenanum.de) gewinnt nach eigenen Angaben einige Kilogramm des Edelmetalls pro Jahr – durch Rütteln von Material aus dem Rhein. Wermutstropfen: Der Verkaufspreis liegt etwa dreimal so hoch wie der Marktpreis.
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