Charttechnik

Leserfrage "Was ist eigentlich die implizite Volatilität?"

[10:30, 25.03.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Jochen Mörsch auf die Frage von Daniela Berger aus Münster.


Plus 2,9 Prozent, plus 7,8 Prozent, minus 4,6 Prozent, minus 4,3 Prozent. Auch wenn die Zahlen so aussehen: Es sind nicht die Veränderungen der Parteien im Rahmen der Sonntagsfrage, sondern es ist die Bilanz des DAX in den vergangenen Wochen. Viele Einzelwerte schwankten sogar noch stärker. Die durch die Finanzkrise verunsicherten Anleger ließen selbst gestandene DAX-Werte wie die  Deutsche Bank an einem Tag um mehr als 15 Prozent steigen oder fallen – ganz zu schweigen von den Bewegungen, die die ehemaligen DAX-Titel  Infineon und  Hypo Real Estate vollführten.

Die Verunsicherung zeigt sich ebenfalls in einem Börsenbarometer: dem VDAX-New. Dieser Index, den Investoren auch Angstbarometer nennen, drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite – die implizite Volatilität – des DAX aus. Er zeigt in Prozentpunkten an, welche Volatilität professionelle Anleger in den kommenden 30 Tagen erwarten.

Grundlage für seine Berechnung sind die an der Terminbörse gehandelten DAXOptionskontrakte. Ein niedriger Wert deutet auf einen Markt ohne starke Kursschwankungen hin. Je höher die Zahl, desto nervöser sind in der Regel die Teilnehmer. Das gilt für Bullen- und Bärenmärkte gleichermaßen: Als der DAX getragen von der New-Economy-Euphorie im März 2000 bei mehr als 8000 Punkten stand, notierte der Index genauso bei 50 Prozentpunkten wie im Frühjahr 2003, als das Barometer im Vorfeld des Irakkriegs bei knapp 2200 Zählern lag.

Derzeit ist die Unsicherheit kaum geringer: Seit die Finanzkrise mit der Pleite von  Lehman Brothers im Herbst 2008 einen Höhepunkt erreichte, notiert der Volatilitätsindex oberhalb der 40er-Marke. In der Spitze lag das Barometer sogar bei mehr als 80. Zum Vergleich: Während der Russland- Krise des Jahres 1998 oder nach den Terroranschlägen vom 11. September erreichte der Index kaum mehr als 60. In ruhigeren Zeiten pendelt der VDAX-New in der Regel zwischen 15 und 20 Prozentpunkten.

An diesen Schwankungen zu verdienen ist nicht einfach. Dank seiner Funktionsweise wäre der VDAX eigentlich ein optimales Vehikel, um sich vor Börsencrashs zu schützen. Doch alle Versuche, die Schwankungen mit Investmentprodukten handelbar zu machen, sind mehr oder minder kläglich gescheitert. Und doch gibt es eine Möglichkeit, von einem hohen Stand des Angstbarometers zu profitieren: Bei Discountzertifikaten kaufen Emittenten nicht nur den Basiswert, sondern verkaufen auch eine Call-Option. Und deren Preis wird von der impliziten Volatilität stark beeinflusst. Soll heißen: Normalisiert sich die Volatilität, steigen die Preise für Discountzertifikate, ohne dass sich der Kurs des Basiswerts ändern muss.

 


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