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Leserfrage Worin unterscheiden sich Aktien und ADRs?

[10:30, 12.09.10]


Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Helmut Kipp (Foto) auf die Frage von Pascal Steuernagel aus Marburg.


Nichts wie weg, scheint die Devise zu lauten.  Allianz und  Deutsche Telekom haben sich von der Börse in New York zurückgezogen,  Bayer,  BASF und Eon ebenso. Die American Depositary Receipts (ADRs) dieser DAX-Konzerne gibt es aber noch. Die Papiere notieren heute im OTC-Segment, also außerbörslich.

Auch viele Privatanleger aus Deutschland haben ADRs oder die nicht amerikanische Variante Global Depositary Receipts (GDRs) im Depot. Allerdings nicht von heimischen Unternehmen – da kauft man naheliegenderweise die Originalaktie –, sondern von Gesellschaften aus exotischeren Regionen wie Indien, Russland oder Südamerika. Hier sind Aktienzertifikate oft die einzige oder die kostengünstigere Möglichkeit, um sich an den aufstrebenden Firmen zu beteiligen. So rät der Investmentstratege Jochen Fischer von  Goldman Sachs, russische Aktien über in London notierte GDRs zu kaufen.

Allerdings bergen die Zertifikate Besonderheiten. Es handelt sich eben nicht um Aktien, sondern um Hinterlegungsscheine, die ein Kreditinstitut ausgibt. Sie verbriefen einen Anspruch auf Herausgabe von Aktien. Ein Zertifikat kann sich auf eine oder mehrere Aktien oder auch nur auf einen Aktienbruchteil beziehen.

Unternehmen legen ADRs auf, weil sie den Börsengang in den USA erleichtern und neue Anlegerkreise erschließen. In der Regel übernimmt eine Depotbank die Ausgabe der Scheine, die Weitergabe von Dividenden und Informationen und die Ausübung von Stimmrechten durch den Investor. Neben einer Privatplatzierung gibt es drei Kategorien solcher „sponsored“ ADR-Programme: Vergleichsweise gering fallen die Anforderungen bei Level I aus. So kann man sich hier die Bilanzierung nach US-Regeln sparen. Kehrseite: Diese ADRs sind nur im Freiverkehr zu handeln. Eine Notierung an einer USBörse oder im Nasdaq-System erfordert mindestens ein Level-II-Programm, über das zum Beispiel SA P und  Siemens verfügen. Level-III-ADRs benötigen Unternehmen für die Aufnahme von Kapital.

Bei den Dividenden können Anleger davon ausgehen, dass sie gleich behandelt werden wie Aktionäre. Die Höhe der Ausschüttung richtet sich also nach dem Anteil, den das ADR an der Originalaktie repräsentiert, wobei die Depotbank häufig eine zumeist kleinere Gebühr einbehält. Bezugsrechte aus Kapitalerhöhungen werden bei Level-II- und Level-III-Programmen meist weitergeleitet. Anders bei Level I: „Hier verkauft die Depotbank im Regelfall die Bezugsrechte und zahlt den Erlös an die ADR-Inhaber aus“, sagt Thomas Licharz, Geschäftsführer der Deutsche- Bank-Tochter Registrar Services.

Können Anleger zwischen Aktie und ADR wählen wie bei den Rohstoffkonzernen Vale und  BHP Billiton, sollten sie im Zweifel das Original bevorzugen, rät Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: „Wird ein ADR-Programm beendet, kann die Lieferung der Aktie sehr kompliziert und teuer sein.“

 


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© 2010 boerse-online.de, © Illustration: Axel Griesch

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