Wie erklären sich
bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch
wird das Börsengeschehen
beeinflusst?
Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem
Fall unser Redakteur
Helmut Kipp (Foto) auf die Frage von Pascal Steuernagel aus Marburg.
Nichts wie weg, scheint die Devise zu
lauten.
Allianz und
Deutsche Telekom
haben sich von der Börse in
New York zurückgezogen,
Bayer,
BASF und
Eon ebenso. Die American Depositary Receipts
(ADRs) dieser DAX-Konzerne gibt
es aber noch. Die Papiere notieren heute
im OTC-Segment, also außerbörslich.
Auch viele Privatanleger aus Deutschland
haben ADRs oder die nicht amerikanische
Variante Global Depositary Receipts
(GDRs) im Depot. Allerdings nicht
von heimischen Unternehmen – da kauft
man naheliegenderweise die Originalaktie
–, sondern von Gesellschaften aus
exotischeren Regionen wie Indien, Russland
oder Südamerika. Hier sind Aktienzertifikate
oft die einzige oder die kostengünstigere
Möglichkeit, um sich an den
aufstrebenden Firmen zu beteiligen. So
rät der Investmentstratege Jochen Fischer
von
Goldman Sachs, russische Aktien über
in London notierte GDRs zu kaufen.
Allerdings bergen die Zertifikate Besonderheiten.
Es handelt sich eben nicht
um Aktien, sondern um Hinterlegungsscheine,
die ein Kreditinstitut ausgibt. Sie
verbriefen einen Anspruch auf Herausgabe
von Aktien. Ein Zertifikat kann sich
auf eine oder mehrere Aktien oder auch
nur auf einen Aktienbruchteil beziehen.
Unternehmen legen ADRs auf, weil
sie den Börsengang in den USA erleichtern
und neue Anlegerkreise erschließen.
In der Regel übernimmt eine Depotbank
die Ausgabe der Scheine, die Weitergabe
von Dividenden und Informationen und
die Ausübung von Stimmrechten durch
den Investor. Neben einer Privatplatzierung
gibt es drei Kategorien solcher
„sponsored“ ADR-Programme: Vergleichsweise
gering fallen die Anforderungen bei
Level I aus. So kann man sich hier die Bilanzierung
nach US-Regeln sparen. Kehrseite:
Diese ADRs sind nur im Freiverkehr
zu handeln. Eine Notierung an einer USBörse
oder im Nasdaq-System erfordert
mindestens ein Level-II-Programm, über
das zum Beispiel SA P und
Siemens verfügen.
Level-III-ADRs benötigen Unternehmen
für die Aufnahme von Kapital.
Bei den Dividenden können Anleger
davon ausgehen, dass sie gleich behandelt
werden wie Aktionäre. Die Höhe der Ausschüttung
richtet sich also nach dem Anteil,
den das ADR an der Originalaktie
repräsentiert, wobei die Depotbank häufig
eine zumeist kleinere Gebühr einbehält.
Bezugsrechte aus Kapitalerhöhungen werden
bei Level-II- und Level-III-Programmen
meist weitergeleitet. Anders bei Level
I: „Hier verkauft die Depotbank im Regelfall
die Bezugsrechte und zahlt den Erlös
an die ADR-Inhaber aus“, sagt Thomas
Licharz, Geschäftsführer der Deutsche-
Bank-Tochter Registrar Services.
Können Anleger zwischen Aktie und
ADR wählen wie bei den Rohstoffkonzernen
Vale und
BHP Billiton, sollten sie
im Zweifel das Original bevorzugen, rät
Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung
für Wertpapierbesitz: „Wird
ein ADR-Programm beendet, kann die
Lieferung der Aktie sehr kompliziert und
teuer sein.“
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