Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unsere Autorin
Brigitte Watermann auf die Frage von Manfred Schulz aus München.
"Deutschland macht einen Haken an
die Altersvorsorge." Mit diesem
Slogan und einem roten Haken hat
die
Postbank ihr "Altersvorsorgekonto"
(AVK) beworben. Derzeit befürchten
manche
der rund 41 000 Anleger des AVK,
dass sie ihre Hoffnung auf positive Renditen
zunächst einmal abhaken müssen.
Was ist passiert? Die
Postbank hatte
die Februar-Rate für das Produkt nicht
abgebucht. Verbraucherschützer sprechen
von einem bislang einmaligen Vorgang.
Das AVK ist mit Aktien- und Anleihezertifikaten
von
Goldman Sachs bestückt. Es ist
in sieben Tranchen mit gestaffelten Laufzeiten
bis 2040 erhältlich. Zum Laufzeitende
greift eine 100-prozentige Kapitalgarantie,
zwischendurch können aber
Verluste auftreten. Und genau das ist nun
passiert. Fast alle Tranchen des AVK liegen
im Minus, die Tranche, die bis 2040 läuft,
sogar mit 32,7 Prozent.
Das AVK geriet in den Strudel, den
stark fallende Aktienkurse und gesunkene
Kapitalmarktzinsen erzeugt hatten – ähnlich
wie manche Riester-Fondssparpläne.
Die Verteilung der Kundengelder auf Aktien-
und Rentenpapiere erfolgt über ein
finanzmathematisches Modell.
Bei stark sinkenden Zinsen brauchen
die Anbieter kapitalgarantierter Produkte
einen höheren Anteil festverzinslicher
Papiere im Bestand, um zum Laufzeitende
die Beitragsgarantie sicherzustellen.
Das Geld der Anleger wurde daher seit
Ende Januar in die Anleihekomponente
des AVK umgeschichtet. Die bisher aufgelaufenen
Verluste wurden damit gewissermaßen
eingefroren.
Die
Postbank reagierte mit dem Entschluss,
das Produkt zu modifizieren.
Dafür brauchte sie eine erneute Genehmigung
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
Daher habe man die
Februar-Rate ausgesetzt, teilte das Institut
mit. Ziel sei es, wieder schneller Einzahlungen
in die Aktienkomponente des AVK
leisten zu können. Für den Monat März
werden die Raten, die sich meist zwischen
50 und 100 Euro bewegen, wieder wie gewohnt
abgebucht, versicherte die Bank.
Verbraucherschützer bemängeln, dass
das Altersvorsorgeprodukt auf Zertifikatebasis
aufgebaut ist. Die
Postbank hält das
Produkt für sicher, das Emittentenrisiko
sei durch spezielle Garantiestrukturen
ausgeschaltet. "Das Produkt ist teuer und
undurchsichtig", urteilt indes Niels Nauhauser
von der Verbraucherzentrale Baden-
Württemberg mit Blick auf die jährliche
Gebühr von 1,55 Prozent. Hinzu
kommen noch gestaffelte Provisionen
beim Kauf zwischen zwei und vier Prozent.
"Der Begriff 'Altersvorsorgekonto'
suggeriert eine Sicherheit, die das Produkt
nicht bietet", sagt der Verbraucherschützer,
"denn bei Veräußerung während der
Laufzeit sind Verluste möglich."

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