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Leserfrage "Was ist mit dem Postbank-Altersvorsorgekonto los?"

[10:30, 01.04.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unsere Autorin Brigitte Watermann auf die Frage von Manfred Schulz aus München.


"Deutschland macht einen Haken an die Altersvorsorge." Mit diesem Slogan und einem roten Haken hat die  Postbank ihr "Altersvorsorgekonto" (AVK) beworben. Derzeit befürchten manche der rund 41 000 Anleger des AVK, dass sie ihre Hoffnung auf positive Renditen zunächst einmal abhaken müssen.

Was ist passiert? Die  Postbank hatte die Februar-Rate für das Produkt nicht abgebucht. Verbraucherschützer sprechen von einem bislang einmaligen Vorgang. Das AVK ist mit Aktien- und Anleihezertifikaten von  Goldman Sachs bestückt. Es ist in sieben Tranchen mit gestaffelten Laufzeiten bis 2040 erhältlich. Zum Laufzeitende greift eine 100-prozentige Kapitalgarantie, zwischendurch können aber Verluste auftreten. Und genau das ist nun passiert. Fast alle Tranchen des AVK liegen im Minus, die Tranche, die bis 2040 läuft, sogar mit 32,7 Prozent.

Das AVK geriet in den Strudel, den stark fallende Aktienkurse und gesunkene Kapitalmarktzinsen erzeugt hatten – ähnlich wie manche Riester-Fondssparpläne. Die Verteilung der Kundengelder auf Aktien- und Rentenpapiere erfolgt über ein finanzmathematisches Modell.

Bei stark sinkenden Zinsen brauchen die Anbieter kapitalgarantierter Produkte einen höheren Anteil festverzinslicher Papiere im Bestand, um zum Laufzeitende die Beitragsgarantie sicherzustellen. Das Geld der Anleger wurde daher seit Ende Januar in die Anleihekomponente des AVK umgeschichtet. Die bisher aufgelaufenen Verluste wurden damit gewissermaßen eingefroren.

Die  Postbank reagierte mit dem Entschluss, das Produkt zu modifizieren. Dafür brauchte sie eine erneute Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Daher habe man die Februar-Rate ausgesetzt, teilte das Institut mit. Ziel sei es, wieder schneller Einzahlungen in die Aktienkomponente des AVK leisten zu können. Für den Monat März werden die Raten, die sich meist zwischen 50 und 100 Euro bewegen, wieder wie gewohnt abgebucht, versicherte die Bank.

Verbraucherschützer bemängeln, dass das Altersvorsorgeprodukt auf Zertifikatebasis aufgebaut ist. Die  Postbank hält das Produkt für sicher, das Emittentenrisiko sei durch spezielle Garantiestrukturen ausgeschaltet. "Das Produkt ist teuer und undurchsichtig", urteilt indes Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden- Württemberg mit Blick auf die jährliche Gebühr von 1,55 Prozent. Hinzu kommen noch gestaffelte Provisionen beim Kauf zwischen zwei und vier Prozent. "Der Begriff 'Altersvorsorgekonto' suggeriert eine Sicherheit, die das Produkt nicht bietet", sagt der Verbraucherschützer, "denn bei Veräußerung während der Laufzeit sind Verluste möglich."

 


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© 2009 boerse-online.de, © Illustration: Hans Scherhaufer, boerse-online.de

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