Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Mitarbeiter
Christian Scheid (Foto) auf die Frage von Michael Langhammer aus Augsburg.
Einen der schwärzesten Monate hat der deutsche Aktienmarkt hinter sich: Im August ist der DAX von 7159 auf 5785 Zähler gefallen und hat mit einem Minus von 19,2 Prozent abgeschlossen. Schwerer erwischte es den Index in seiner mehr als 23-jährigen Geschichte nur im September 2002: Damals verlor der Index innerhalb eines Monats 25,4 Prozent.
Angesichts des anhaltenden Kursverfalls fragen sich viele Anleger, wie weit es mit dem DAX noch nach unten gehen kann. Während die Fundamentalanalysten den Index spätestens im Bereich des Buchwerts der 30 Indexmitglieder von umgerechnet 4600 Zählern aufschlagen sehen (siehe Titelgeschichte 36/11), halten Pessimisten weitaus tiefere Marken für möglich. Andere Anleger argumentieren mit den Dividenden: Da der DAX als Performanceindex berechnet wird, also Dividenden enthält, könne das Barometer doch gar nicht tiefer fallen als auf das Niveau der seit Bestehen des DAX aufgelaufenen Ausschüttungen. Hat der Index also wirklich eine Art „natürlichen Boden“?
In der Tat steht der DAX-Kursindex aktuell bei 3052 Punkten und somit rund 2329 Punkte oder 43,28 Prozent tiefer als der DAX-Performanceindex, der bei 5381 Zählern notiert. Der Abstand des Kurs- zum Performanceindex erklärt sich dadurch, dass die Dividenden bei der Kursvariante nicht angerechnet werden, bei der Performancevariante dagegen schon. Nach der Ausschüttung einer Dividende durch ein Indexmitglied wird diese allerdings nicht in einem separaten Topf gesammelt, der dem DAX zugerechnet wird, sondern sofort in den gesamten Index reinvestiert.
Dass der Abstand von 2329 Punkten kein feststehender Puffer ist, zeigt ein Rechenbeispiel: Angenommen, alle 30 Aktien würden an einem Tag um 90 Prozent fallen, dann würde dies auch bei den beiden DAX-Indizes zu Verlusten von jeweils 90 Prozent führen. Der DAX-Performanceindex stünde bei 538,1 Punkten, der Kursindex bei 305,2 Zählern. Während der prozentuale Abstand zwischen beiden Indizes weiterhin bei 43,28 Prozent liegt, hat sich die absolute Differenz von ursprünglich 2329 auf 232,9 Punkte verringert. Absolut betrachtet nähern sich beide Indizes also an. Aus der Berechnungsmethode des Index ergibt sich, dass nur der prozentuale Abstand die Dividenden widerspiegelt.
Es ist ebenso ein Trugschluss, dass der DAX aufgrund der Dividenden nicht auf null fallen kann. Der Index wird nach der sogenannten Laspeyres-Formel berechnet. Diese besteht – vereinfacht ausgedrückt – aus dem Produkt aller im Index enthaltenen Aktien einer Firma und dem Preis der jeweiligen Aktie, aufsummiert über alle 30 DAX-Mitglieder. Sofern in einem zugegebenermaßen sehr unwahrscheinlichen Fall sämtliche 30 Aktien gleichzeitig bei null notieren, steht auch der DAX auf Basis der Formel bei null. Auch wenn ein Konzern dann noch Dividende ausschütten würde – ein hypothetischer Fall –, bliebe es dabei. Denn bei der Wiederanlage in wertlose DAX-Aktien wäre auch dieser Betrag sofort weg.

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