Sonstiges

Leserfrage Kann die Dividendenrendite über 100 Prozent betragen?

[10:30, 17.08.11]


Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Mitarbeiter Christian Scheid (Foto) auf die Frage von Leo Barisch.


Während der 2011er-Dividendensaison haben allein die 30 DAX-Unternehmen rund 30,5 Mrd. Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet – ein Plus von fast 30 Prozent im Vergleich zu 2010. Mit durchschnittlich 3,3 Prozent rentierten die Blue Chips deutlich höher als deutsche Bundesanleihen. Bei einzelnen Werten war noch weitaus mehr zu holen. Daher lohnt schon heute ein Blick auf 2012. Den Vogel dürfte  Balda abschießen: Der Handyzulieferer aus Bad Oeynhausen wird aller Voraussicht nach einen Betrag auszahlen, der über dem aktuellen Aktienkurs liegt.

Eine Dividendenrendite von mehr als 100 Prozent? Viele Leser rieben sich verwundert die Augen, als wir in einer Titelgeschichte über die anstehende Riesenausschüttung bei  Balda berichteten (Heft 32/11). Der Hintergrund: Die Gesellschaft besitzt eine Beteiligung am Touchscreen-Hersteller TPK Holding, die aktuell allein knapp über 10 Euro je Aktie wert ist. Die Deutschen haben angekündigt, dass sie sich von den Anteilen Ende Oktober 2011 trennen und den Erlös großteils an die Aktionäre in Form einer Sonderdividende auszahlen wollen.

Da eine Balda-Aktie an der Börse derzeit lediglich 6,89 Euro kostet, könnte die Ausschüttung den aktuellen Kurs also durchaus übersteigen. Der große Abschlag hängt mit den zahlreichen Unsicherheitsfaktoren zusammen, die insbesondere das Gelingen der Verkaufstransaktion sowie die Höhe und den Zeitpunkt der Sonderausschüttung betreffen. Deshalb haben wir die Dividendenschätzung auch noch nicht in unserer Datenbank berücksichtigt. Sobald Klarheit besteht über die Bedingungen und die Terminierung der Sonderausschüttung, werden Börsianer den Aktienkurs in Richtung des Dividendenbetrags treiben. Spätestens kurz vor der Auszahlung dürfte sich die Notierung oberhalb einpendeln – wie weit, hängt davon ab, welchen Wert Anleger dem restlichen operativen Geschäft des Balda-Konzerns einräumen. Der am Tag der Ausschüttung fällige Dividenden­abschlag kann die Notiz nicht ins Negative abrutschen lassen.

Balda ist kein Einzelfall: In der jüngeren Vergangenheit haben sich mehrere Unternehmen von wesentlichen Teilen ihres operativen Geschäfts oder von wichtigen Beteiligungen getrennt und den Erlös an die Aktionäre ausgeschüttet. Der bekannteste Fall ist Altana: Nach dem Verkauf der Pharmasparte zahlte der Konzern im Mai 2007 je Aktie 33 Euro aus. Der Betrag entsprach am Tag vor der Ausschüttung einer Rendite von rund 70 Prozent. Die Anteilseigner von Varta kamen nach der Veräußerung des Mikrobatteriegeschäfts im Jahre 2007 in den Genuss einer Kapitalrückzahlung von 9,24 Euro je Aktie, das waren 73,3 Prozent Rendite. Bei Lycos Europe gab es 2009 Ausschüttungen von 0,1123 Euro (62 Prozent Rendite) und 0,024 Euro je Aktie (23,5 Prozent Rendite), nachdem der Internetkonzern liquidiert wurde. Weitere Zahlungen wurden in Aussicht gestellt, deren Höhe und Terminierung sind jedoch noch offen.

 


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© 2011 boerse-online.de, © Illustration: Axel Griesch

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