Sonstiges

Leserfrage Soll ich US-Aktien in Amerika oder in Deutschland kaufen?

[12:15, 29.07.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall kommt die Frage von Fabrice Delmas aus Reutlingen.


Das Angebot an deutschen Börsen ist enorm. Kaum eine noch so obskure US-Aktie, die nicht gleich an mehreren deutschen Börsen gehandelt wird. Mehr als 5000 Werte sind in Deutschland im Angebot. Bei großen Werten reicht der deutsche Handelsumsatz meist aus, ­Privatanleger können also einiges an ­Gebühren sparen. Doch für die überwältigende Anzahl sind die Umsätze in Berlin oder Frankfurt einfach zu gering.

Grundsätzlich gilt, den Umsatz und den Kursunterschied zwischen Ankauf und Verkauf an allen zur Auswahl stehenden Börsenplätzen zu prüfen. Große Ausnahme: der Discountbroker E-Trade. Bei dem amerikanischen Haus, das in Berlin eine Niederlassung betreibt, kostet die Order 9,95 Euro für einen Kauf im Wert von 5000 Euro plus einen Provisionssatz von 0,15 Prozent - egal ob via Xetra, Frankfurt, Düsseldorf, eine der anderen deutschen Parkettbörsen oder an der New York Stock Exchange oder Nasdaq.

Überraschenderweise ist der Umsatz für manche Aktien - zum Beispiel die beliebte VMware - in Deutschland höher als an der Nasdaq. Wegen des größeren Volumens stellen die Makler einen engeren Spread, sodass der Kauf in Deutschland vorteilhaft ist. Viele E-Trade-Kunden nutzen laut Geschäftsführer Matthias Hach die in Deutschland und den USA identischen Gebühren, um Arbitrage zu machen - sie kaufen Aktien in Deutschland und verkaufen sie sofort wieder in den USA.

Für Kunden von deutschen Brokerhäusern wie Comdirect, Cortal Consors oder  DAB Bank ist die Sache komplizierter. Eine US-Aktie, die man in Deutschland kauft, kann man als Kunde der  DAB Bank auch nur in Deutschland wieder verkaufen - außer man beantragt einen Lagerstellenwechsel, der bei der  DAB Bank mehrere Wochen dauern kann und zusätzliche Gebühren kostet. Cortal Consors kriegt die Umlagerung immerhin in zwei Tagen über die Bühne. Obwohl bei der DAB und Cortal Consors die in den USA platzierte 5000-Euro-Order mit 32,45 Euro fast doppelt so teuer ist wie ein Xetra-Auftrag, ist es bei marktengeren Werten also sinnvoll, direkt in den USA zu kaufen. Denn 15 Euro Gebühren zu sparen lohnt sich nicht, wenn man bei einem Kurseinbruch nicht rasch verkaufen kann.

Ein ärgerlicher Aspekt beim Aktienkauf sind Teilausführungen. Denn die Computersysteme der US-Börsen stückeln eine Order selbst über nur 100 Aktien wo­möglich auf fünf oder mehr einzelne ­Ausführungen - und die deutschen Häuser wie Comdirect und  DAB Bank berechnen für jede einzelne ihre Gebühr. Denken Sie deshalb unbedingt daran, bei der Order an US-Börsen den Orderzusatz "All or none" hinzuzufügen, um Teilausführungen vorzubeugen.

 


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