Sonstiges

Leserfrage Soll man als Anleger bei einer Kapitalerhöhung mitziehen?

[10:26, 23.09.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Erich Gerbl auf die Frage von Heimo Thalmann aus Hannover.




Kapitalerhöhungen haben Konjunktur. Firmen wie  Heidelberg Cement oder zuletzt  Klöckner & Co drängen auf den Kapitalmarkt, um ihr Grundkapital zu erhöhen. Denn während die Banken knausern, ist der Zugang zu Eigenkapital über die Börse frei. Möglich macht das die gegenwärtige Erholung der Kurse.

Grundsätzlich lohnt es sich, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen, wenn sich die Aussichten für das Unternehmen durch die Maßnahme verbessern. Um das einschätzen zu können, sollte der Aktionär unter die Lupe nehmen, was die Firma mit den neuen Geldern vorhat. Manche Gesellschaften kommunizieren die Ziele vorbildlich. In einem siebenminütigen Video erklärt Klöckner-Chef Gisbert Rühl seinen Aktionären auf der firmeneigenen Website den Grund und den genauen Ablauf der Maßnahme. Er legt sich die 200 Millionen Euro für Firmenzukäufe auf die Seite. Bei einem expansiven Unternehmen wie Klöckner ergibt das einen Sinn.

Drücken wie bei  Heidelberg Cement Schulden von mehr als elf Milliarden Euro, sind andere Prioritäten gefragt. Da die neuen Milliarden in den Abbau der Verbindlichkeiten fließen, erhöhen sich die Überlebenschancen. Die Zinszahlungen werden reduziert. Die Eigenkapitalquote steigt, mitunter ist eine Verbesserung der Bonität möglich. Gerade in Krisenzeiten sind solche Strategien gefragt und werden nach einem kurzen Schock von den Börsianern honoriert.

Was der Aktionär beachten sollte, ist die Verwässerung. Weil sich der Unternehmenswert infolge einer Kapitalerhöhung durch eine deutlich größere Zahl von Aktien teilt, verwässert sich der Preis einer Einzelaktie. Im Extremfall  Heidelberg Cement verdoppelt sich die Zahl der Aktien. Um diesen Nachteil auszugleichen, bekommt der Anleger in der Regel ein Bezugsrecht. Das wird normalerweise zwei Wochen an der Börse gehandelt. Wirtschaftlich macht es zunächst keinen Unterschied, ob das Bezugsrecht, das sich am Kurs der neuen und alten Aktien orientiert, verkauft oder ausgeübt wird.

Durch die höhere Aktienzahl verwässert sich - also sinkt - jedoch auch das Ergebnis je Aktie, entsprechend steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Die Attraktivität des Papiers sinkt. Wird die Kapitalerhöhung zum Schuldenabbau eingesetzt, sinken die Zinszahlungen, wodurch dieser Verwässerungseffekt gemildert wird. Auch die Dividende muss durch mehr Anteile geteilt werden. Anleger, die nicht mitziehen, bekommen weniger.

Alle diese Informationen geben eine Orientierung. Aber grundsätzlich steht der Aktionär bei einer Kapitalerhöhung jedes Mal vor der Herausforderung, sich neu für oder gegen sein Investment zu entscheiden.

 


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© 2009 boerse-online.de, © Illustration: Axel Griesch

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