Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch
wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem
Fall unser freier Hauptstadtkorrespondent Tobias Kaiser (Foto) auf die Frage von Bernd Kollmitzer aus Bergisch-Gladbach.
Anleger, die ihr Geld parken wollen,
sind die Gewinner der Finanzkrise.
Die Zinsen für Tagesgeld steigen
beinahe wöchentlich – in der Spitze gibt es
inzwischen fast sechs Prozent. Die Zinsen
schießen durch die Decke, weil die Banken
Geld brauchen. Und zwar so dringend,
dass die Manager bereit sind, mit üppigen
Zinsen auch Verluste zu machen.
Ursache sind die Turbulenzen an den
Finanzmärkten. Wenn Banken Geldspritzen
benötigen, um kurzfristig ihre Bilanzen
auszugleichen, können sie normalerweise
Geld bei der Europäischen Zentral -
bank (EZB) leihen. Dafür zahlen sie den
EZB-Leitzins, der im Moment bei 4,00
Prozent liegt. Allerdings bekommen Banken
diesen günstigen Zinssatz nur, wenn
sie für das geliehene Geld Staatspapiere
mit hoher Bonität als Sicherheit hinterlegen.
Die Summen, die sich Banken bei
der Notenbank zum Freundschaftszins
besorgen können, sind also begrenzt.
Banken geben sich deshalb auch gegenseitig
Kredite, wenn sie kurzfristig
Geld benötigen. Diese Geldquelle ist allerdings
versiegt. Weil Banker kaum noch
einschätzen können, wie gut es anderen
Häusern geht, verleihen sie untereinander
nur noch zu sehr hohen Zinssätzen oder
gar nicht. Und deshalb brauchen die Institute
das Geld von Privatkunden. „Das
Geld der Kunden ist für die Banken im
Moment so wichtig, dass sie bereit sind,
dafür Zinssätze weit über dem EZB-Leitzins
zu zahlen“, erklärt Thomas Heidorn,
Professor für Investmentbanking und
Banksteuerung an der Frankfurt School of
Finance. Das ist eine Ausnahmesituation.
Getrieben werden die Zinssätze zusätzlich
von Banken aus dem Ausland wie
Kaupthing oder ICICI, die mit den sparwütigen
Deutschen ins Tagesgeldgeschäft
kommen wollen. „Neue Adressen müssen
erst mal mit Lockvogelangeboten auf sich
aufmerksam machen“, sagt Wilfried Hübner,
Country Manager Deutschland der
niederländischen Demir-Halk Bank. „Wir
sind auf die gleiche Art gestartet.“ Rentabel
sind die Spitzenzinsen oft nicht, aber
das ist der Preis für den Markteintritt.
In ruhigeren Zeiten verdienen Banken
hingegen sehr wohl mit Tagesgeldkonten.
Kunden können zwar theoretisch ihr Geld
täglich abziehen, tatsächlich sind Anleger
aber relativ träge und Banken können im
Schnitt mit bis zu 50 Prozent der Tagesgeldeinlagen
langfristig wirtschaften. Die
Institute zahlen Zinsen auf das Tagesgeld
und vergeben es für langfristige Kredite
zu höheren Zinsen. Von der Differenz
leben die Banken sehr gut. Im Moment
allerdings sind die Privatanleger am Zuge.
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