Sonstiges

Leserfrage Verdienen die Banken überhaupt an hohen Tagesgeldzinsen?

[12:13, 07.05.08]


Tobias Kaiser, freier Hauptstadtkorrespondent

 Tobias Kaiser, freier Hauptstadtkorrespondent


Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck?

Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser freier Hauptstadtkorrespondent Tobias Kaiser (Foto) auf die Frage von Bernd Kollmitzer aus Bergisch-Gladbach.


Anleger, die ihr Geld parken wollen, sind die Gewinner der Finanzkrise. Die Zinsen für Tagesgeld steigen beinahe wöchentlich – in der Spitze gibt es inzwischen fast sechs Prozent. Die Zinsen schießen durch die Decke, weil die Banken Geld brauchen. Und zwar so dringend, dass die Manager bereit sind, mit üppigen Zinsen auch Verluste zu machen.

Ursache sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Wenn Banken Geldspritzen benötigen, um kurzfristig ihre Bilanzen auszugleichen, können sie normalerweise Geld bei der Europäischen Zentral - bank (EZB) leihen. Dafür zahlen sie den EZB-Leitzins, der im Moment bei 4,00 Prozent liegt. Allerdings bekommen Banken diesen günstigen Zinssatz nur, wenn sie für das geliehene Geld Staatspapiere mit hoher Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Summen, die sich Banken bei der Notenbank zum Freundschaftszins besorgen können, sind also begrenzt.

Banken geben sich deshalb auch gegenseitig Kredite, wenn sie kurzfristig Geld benötigen. Diese Geldquelle ist allerdings versiegt. Weil Banker kaum noch einschätzen können, wie gut es anderen Häusern geht, verleihen sie untereinander nur noch zu sehr hohen Zinssätzen oder gar nicht. Und deshalb brauchen die Institute das Geld von Privatkunden. „Das Geld der Kunden ist für die Banken im Moment so wichtig, dass sie bereit sind, dafür Zinssätze weit über dem EZB-Leitzins zu zahlen“, erklärt Thomas Heidorn, Professor für Investmentbanking und Banksteuerung an der Frankfurt School of Finance. Das ist eine Ausnahmesituation.

Getrieben werden die Zinssätze zusätzlich von Banken aus dem Ausland wie Kaupthing oder ICICI, die mit den sparwütigen Deutschen ins Tagesgeldgeschäft kommen wollen. „Neue Adressen müssen erst mal mit Lockvogelangeboten auf sich aufmerksam machen“, sagt Wilfried Hübner, Country Manager Deutschland der niederländischen Demir-Halk Bank. „Wir sind auf die gleiche Art gestartet.“ Rentabel sind die Spitzenzinsen oft nicht, aber das ist der Preis für den Markteintritt.

In ruhigeren Zeiten verdienen Banken hingegen sehr wohl mit Tagesgeldkonten. Kunden können zwar theoretisch ihr Geld täglich abziehen, tatsächlich sind Anleger aber relativ träge und Banken können im Schnitt mit bis zu 50 Prozent der Tagesgeldeinlagen langfristig wirtschaften. Die Institute zahlen Zinsen auf das Tagesgeld und vergeben es für langfristige Kredite zu höheren Zinsen. Von der Differenz leben die Banken sehr gut. Im Moment allerdings sind die Privatanleger am Zuge.


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