Sonstiges

Leserfrage Warum kauft die Europäische Zentralbank Pfandbriefe?

[10:26, 19.08.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Dennis Kremer auf die Frage von Werner Hauptmann aus Berlin.




Die Herren sind in Kauflaune: Rund 60 Milliarden Euro wollen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und seine Kollegen bis Juni 2010 ausgeben. Fließen sollen die Gelder der Europäischen Zentralbank und der Notenbanken der Euro- Länder in Wertpapiere, die als ähnlich ausfallsicher gelten wie Staatsanleihen - in Pfandbriefe, international Covered Bonds genannt. Bei ihnen handelt es sich um Bankanleihen, die mit Hypotheken- oder Staatskrediten besichert sind.

Hypotheken, Banken, Staaten - die drei Begriffe erklären, warum die Notenbanker ihr Herz für Covered Bonds entdeckt haben. Denn dass Pfandbriefe seit Ausbruch der Finanzkrise an Ansehen eingebüßt haben, hängt eng mit diesen Stichworten zusammen. Zunächst zu den Hypotheken: Im Sommer 2007 begann die Finanzkrise als Krise auf dem US-Immobilienmarkt, weil dort viele Schuldner die Darlehen für ihre Häuser nicht zurückzahlen konnten. Die Folge: Hypothekenkredite und ihr Weiterverkauf an andere Banken gerieten in Verruf - die Immobilienmärkte galten plötzlich nicht mehr als sicher und solide.

Dann ging ein Jahr später die Investmentbank  Lehman Brothers pleite, und auf einmal hatten auch Geldhäuser ihre Solidität in den Augen vieler Anleger verloren. Als daraufhin die Regierungen in aller Welt die Banken mit teuren Rettungspaketen stützten, war ebenso der Glaube an die Finanzkraft von Staaten dahin. Nur mit Mühe gelang es beispielsweise der Bundesregierung, den Immobilienfinanzierer und wichtigen Pfandbrief-Emittenten  Hypo Real Estate vor der Pleite zu retten. Sicher und solide - das, was Pfandbriefe ausgezeichnet hatte, schien dahin. Die Risikoaufschläge für Covered Bonds stiegen, die Papiere fanden kaum noch Käufer, Neuemissionen waren Fehlanzeige.

"Es ist gut, dass die EZB handelt", sagt Ralf Burmeister, Leiter Pfandbriefe bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Denn wenn Investoren die sicherste Form der Bankanleihe - den Pfandbrief - verschmähen, werden sie erst recht nicht zu normalen Bankanleihen greifen." Auf solche Gelder sind die Institute angewiesen, da die Banken untereinander mit Krediten knausern. Den Glauben der Investoren an Bankbonds wiederherzustellen ist also Ziel der EZB-Aktion. Das Signal an Anleger: Wenn die Zentralbank Covered Bonds kauft, ist den Papieren und ihren Emittenten wohl zu trauen.

Das Kalkül scheint aufzugehen: Seitdem Trichet im Juli mit dem Bondskauf begann, sind die Risikoaufschläge zurückgegangen, zudem wagen sich die Banken wieder vorsichtig an Neuemissionen heran. Im Juli kamen laut LBBW neue Papiere im Volumen von deutlich mehr als zehn Milliarden Euro auf den Markt.

 


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