Sonstiges

Leserfrage Warum sind deutsche CDS-Prämien auf Rekordhoch?

[10:30, 12.10.11]


Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Dennis Kremer (Foto) auf die Frage von Martin Küster aus München.


Es ist ein eklatanter Widerspruch: Die Renditen von Bundesanleihen notierten kürzlich auf dem niedrigsten Wert in ihrer Geschichte – bei weniger als 1,7 Prozent. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen auf deutsche Staatsanleihen dagegen erreichten Ende September ein Rekordhoch – der Wert der sogenannten CDS (Credit Default Swaps) schoss zwischenzeitlich auf 120 Basispunkte. Fürchten sich Investoren also vor einem Ausfall von Bundesanleihen oder nicht? Selbst Fachleute wie Rolf Schäffer von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) räumen ein: „Auf den ersten Blick passen diese unterschiedlichen Bewertungen überhaupt nicht zusammen.“

Auf den zweiten Blick aber lässt sich der Widerspruch auflösen. Er erklärt sich vor allem aus der wichtigen Stellung der Bundesanleihen in Europa und den Eigenarten des CDS-Marktes heraus.

Eine CDS-Versicherung funktioniert so: Profi-Investoren, die sich vor dem Ausfall von Anleihen schützen möchten, müssen dafür eine jährliche Prämie in Basispunkten zahlen. Beträgt die Prämie, wie im Falle Deutschlands, 120 Basispunkte, bedeutet das: Der CDS-Käufer muss eine Gebühr in Höhe von 1,2 Prozent des Anleihevolumens zahlen, das er versichern möchte. Hat er Bundesanleihen im Wert von 10 Mio. Euro im Depot, betrüge die Prämie 120000 Euro. Im Gegenzug muss ihm der Versicherer im Falle eines ­deutschen Staatsbankrotts den Schaden ersetzen.

Wenn die CDS-Kosten für ein Land nach oben schnellen, steigen normalerweise auch die Zinsen für dessen Staatsanleihen. „Im Falle Deutschlands verfolgen die Anleger auf dem Anleihemarkt und die Investoren auf dem CDS-Markt aber unterschiedliche Strategien“, sagt CDS-Experte Jochen Felsenheimer von der Fondsgesellschaft Assenagon. „Es handelt sich nämlich um völlig andere Inves-torengruppen.“

Zur Gruppe, die vor allem auf dem Bondmarkt aktiv ist, gehören institutionelle Anleger wie Pensionskassen. Gemäß ihren Anlagerichtlinien müssen sie meist eine bestimmte Menge Staatsanleihen im Depot halten, weil solche Papiere bis zum Ausbruch der Griechenland-Krise als risikolos galten. Da dies für viele europäische Bonds nicht mehr zutrifft, bleibt derzeit eigentlich nur ein Ausweg: Die Investoren müssen Bundesanleihen kaufen, die sichersten und liquidesten Papiere im Euro-Raum. Das drückt deren Rendite.

Auf dem CDS-Markt dagegen tummeln sich vor allem Banken und Hedge-Fonds. Viele von ihnen gehen mitnichten von einem Ausfall Deutschlands aus. Statt­dessen setzen sie darauf, dass die deutsche Absicherungsprämie weitersteigen wird, falls die Bundesrepublik im Zuge der Euro-Rettung zusätzliche Garantien übernehmen muss. „Viele decken sich ein, um die Kontrakte dann zu einem höheren Preis weiterzuverkaufen“, sagt LBBW-Mann Schäffer. Das Geschäft könnte sich lohnen: Denn trotz des Rekordhochs sind Kreditausfallversicherungen auf Deutschland immer noch relativ günstig. Zum Vergleich: CDS-Papiere auf Italien kosten zurzeit mehr als 450 Basispunkte.

 


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