Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur
Dennis Kremer auf die Frage von Rudolf Werner aus Stuttgart.
Er hatte alles versucht. Den Gläubigern Umtauschofferten für deren Anleihen unterbreitet. Am Ende gar angeboten, auf einen Teil seiner Aktien zu verzichten. Doch was Bruno Sälzer auch unternahm: Es gelang dem Vorstandsvorsitzenden nicht,
Escada zu retten.
Konsequenzen hatte die Pleite des Modekonzerns Mitte August vor allem für die ausstehenden Anleihen des Konzerns. Seit August tragen sie nun den Vermerk, vor dem sich alle Bondbesitzer fürchten: "D" für "Default". Das bedeutet: Anleger erhalten keine jährlichen Zinskupons mehr, auch die vollständige Rückzahlung des Nominalwerts ihrer Bonds am Ende der Laufzeit können sie vergessen. Ausgefallene Anleihen werden aber mitnichten aus dem Börsenhandel genommen. Käufe und Verkäufe sind weiterhin möglich - allerdings müssen Anleger beim Verkauf meist einen Kursabschlag hinnehmen.
Was nach der Escada-Insolvenz aber auf den ersten Blick überrascht: Trotz der Pleite ist der Anleihekurs, der zwischenzeitlich auf 20 Prozent abgestürzt war, wieder deutlich auf 35 Prozent gestiegen. "Starke Kursbewegungen einer ausgefallenen Anleihe sind nichts Ungewöhnliches", sagt Philip Gisdakis von Unicredit. "Sie sind ein Hinweis darauf, welche Verwertungsquote der Markt erwartet." Diese Quote gibt an, wie viel Prozent des Nominalwerts einer Anleihe Investoren nach Meinung der Marktteilnehmer am Schluss des Insolvenzverfahrens erhalten werden. In steigenden Anleihekursen drückt sich der Glaube an eine höhere Quote aus, in sinkenden Kursen die Überzeugung, dass die Rückzahlung noch geringer sein wird als bislang erwartet. Optimismus treibt die Kurse besonders dann, wenn die Aussicht besteht, dass ein neuer Investor für Teile der alten Schulden einsteht.
Wie es mit
Escada weitergeht, ist zwar noch offen. "Der Kursanstieg zeigt aber: Die Anleger sind zuversichtlich", sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Konzern die Abwicklung vermeiden kann. Nach Medienberichten gibt es mehrere Kaufinteressenten. Die Zuversicht der jetzt eingestiegenen Anleihekäufer könnte aber eine weitere Ursache haben, vermutet Schlienkamp: "Selbst wenn
Escada nur seine Markenrechte verkaufen würde, würde das viel Geld in die Kasse spülen. Davon würden auch die Anleihegläubiger profitieren."
Für Privatanleger ist das Spekulieren mit ausgefallenen Bonds aber nicht zu empfehlen. Denn in diesem Markt tummeln sich fast ausschließlich Profis wie beispielsweise Hedge-Fonds. Besitzer von Escada-Anleihen, die nicht auf das unsichere Ende des Insolvenzverfahrens warten wollen, sollten darum den jüngsten Kurssprung zum Verkauf nutzen.

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