Sonstiges

Leserfrage Warum weichen Index und ETF-Kurs voneinander ab?

[10:30, 14.09.11]


Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unsere Mitarbeiterin Antonie Klotz (Foto) auf die Frage von Martin Krämer.


Wer sich beim Kauf von Exchange-Traded Funds (ETFs) allein am Indexstand orientiert, kann böse Überraschungen erleben. Denn ETF-Kurs und Indexstand weichen in der Regel voneinander ab. Teilweise sind die Unterschiede zwischen dem Wert des börsen­gehandelten Indexfonds und dem dazugehörigen Index gravierend.

Am deutlichsten wird das beim ältesten DAX-ETF, dem iShares DAX (WKN: 593393). Der ETF kostet bei einem Indexstand von 5353 Punkten 49,14 Euro. Da der ETF ein Hundertstel des DAX widerspiegelt, müsste der Indexfonds theoretisch 53,53 Euro kosten. Diese Rechnung gilt allerdings nur bei Auflage des Papiers. Denn im Ablauf der Zeit reduzieren Steuern und Gebühren den Wert des Indexfonds; im Gegenzug erwirtschaftet die Fondsgesellschaft über die Leihe von Wertpapieren Zusatzerträge. Denn die Fondsgesellschaften halten die Aktien im Bestand und leihen diese teilweise gegen Gebühren an andere Marktteilnehmer. Bei den DAX-ETFs gleichen sich in der Regel die Gebühren und die Erträge in etwa aus. Das funktioniert nicht bei allen Indizes, beim DAX ist das aber möglich, da die Gesamtkostenbelastung meist zwischen 0,10 und 0,17 Prozent liegt und eher gering ist.

Der Grund für die Abweichung im Ablauf der Zeit ist also die Steuer. Die Belastung des Fiskus ist beim DAX anders als bei anderen Indizes. Der deutsche Blue-Chip-Index ist als Performanceindex konzipiert und berücksichtigt die Dividendenausschüttungen in der Wertentwicklung. Der Index legt jährlich automatisch um den Wert der Ausschüttungen zu. Für die Anleger an sich eine positive Entwicklung, da sie bei ihren DAX-Investments die Dividenden automatisch kassieren. Wenn da nicht das Finanzamt wäre.

Die Dividenden werden rechnerisch im Index zu 100 Prozent reinvestiert, doch die DAX-Indexfonds müssen jährlich, zum Thesaurierungszeitpunkt, an den Fiskus Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer abführen. Das heißt: Das Fondsvermögen schrumpft an diesem Tag. In der Indexberechnung wird diese Steuerbelastung aber nicht berücksichtigt, weshalb Anleger, die kapital­ertragsteuerpflichtig sind, in der Praxis mit ihrem ETF nie die DAX-Performance erreichen können.

Bei einer Dividendenrendite von rund drei Prozent pro Jahr schmälert die Steuerbelastung die Performance des Fonds um knapp ein Prozent pro Jahr. Daher liegt der Kurs eines ETFs, der länger am Markt ist, tiefer als einer jüngeren Datums.

Der tatsächliche Wert aller im ETF angelegten Papiere wird von der Fondsgesellschaft als iNAV veröffentlicht. iNAV steht für „indicative Net Asset Value“, zu Deutsch indikativer Nettoinventarwert, und er errechnet sich aus Fondsvermögen dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Auf diesen Wert, der dem ETF-Preis entspricht, sollten Anleger achten und die Limits beim Kauf und Verkauf daran festlegen – und sich nicht bei ihrer Order am Indexstand orientieren.

 


Haben Sie noch Fragen? Senden Sie sie uns per Mail unter dem Stichwort: „Leserfrage“ an  leserbriefe@boerse-online.de

Die neue Ausgabe von BÖRSE ONLINE erscheint am 15. September. Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, dann schließen Sie doch gleich ein Probeabo ab. Informieren Sie sich in unserem  Abo-Shop.



© 2011 boerse-online.de

Empfehlen

Facebook Twitter XING

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Webnews weblinkr Yahoo MyWeb YiGG


DAX 6.285,75

-149,85 Punkte/-2,33%
Chart
DAX Tops
  Kurse Diff%
75,63 +0,05%
23,75 -0,31%
47,38 -0,90%
52,58 -0,94%
DAX Flops
  Kurse Diff%
14,64 -5,00%
8,39 -4,26%
78,14 -4,05%
39,32 -3,99%
Kaufen Sie nach dem verpatzten Börsenstart nun Facebook-Aktien?
 
Ihre Stimmabgabe für das Leserinvestment der Ausgabe 24/2012

Grosse Lesserumfrage Zertifikateemittent 2012
Boerse Online DATA INTERAKTIVE
Finden Sie uns auf Facebook
Mehr Videos »