Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur
Egmond Haidt auf die Frage von Andrea Zimmermann aus Hamburg.
Kein Unternehmen lässt es sich nehmen, den Aufstieg in einen Index entsprechend zu feiern. So auch Qiagen: „Die Aufnahme unserer Aktie in den Nasdaq 100 spiegelt unser starkes Wachstum, die anhaltend gute Geschäftsentwicklung und unsere signifikante Wertschöpfung wider“, erklärt der Vorstandschef des Biotechzulieferers Peer Schatz in einer Pressemeldung vom 14. Dezember. „Wir fühlen uns geehrt, in diese Auswahl von führenden Unternehmen aufgenommen zu werden.“
Die Freude ist verständlich, bietet die Mitgliedschaft doch einige Vorteile wie eine erhöhte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Dieser Prestigegewinn ist kostenlose Werbung für ein Unternehmen und kann durchaus förderlich für den Absatz seiner Produkte sein.
Üblicherweise entwickelt sich eine Aktie nach der Indexaufnahme zwar erst einmal nicht besser als das Kursbarometer selbst. Die Bewegung hat der Aufstiegskandidat meist schon in den Monaten zuvor gemacht und sich so erst für das Barometer qualifiziert. Trotzdem ist die Aufnahme von Vorteil für den Kurs, denn viele Fonds, die häufig weitgehend einen Index nachbilden, müssen sich mit Papieren der Neulinge eindecken. Bei einem aktuellen Börsenwert des DAX von 640 Milliarden Euro und des S&P 500 von 5,3 Billionen Dollar kommt da schnell eine zusätzliche Nachfrage in Höhe von Hunterten Millionen Euro zusammen. Positiv ist ein weiterer Faktor: Weil sich mit Indexmitgliedern deutlich mehr Analysten beschäftigen, bekommen Investoren einen besseren Einblick in das Geschäftsmodell. Ihnen liegen wesentlich mehr Daten wie Gewinnschätzungen vor. Das erhöht die Sicherheit für die Anleger.
Die Verbesserung von Transparenz und Liquidität sowie die breitere Investorenbasis führen häufig dazu, dass die Bewertung der Aktie – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis – steigt. Denn bei schlechten Unternehmensnachrichten können Investoren größere Positionen veräußern, ohne dass es zu Verwerfungen kommt. Gleichzeitig können sich die Firmen günstigere Konditionen am Anleihemarkt sichern. Sollte einer Aktie jedoch der Abstieg aus einem wichtigen Index drohen, kann auch ein übertriebener Kursdruck entstehen.
Eine Mitgliedschaft ist jedoch kein Qualitätssiegel. Sie sagt nichts über die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells aus. So hat Infineon über lange Zeit rote Zahlen geschrieben, bis am Ende sogar die Insolvenz drohte. Der Konzern flog aus dem DAX. Seit einigen Quartalen geht es operativ aber deutlich aufwärts. Und deshalb ist die Aktie im September nach einer imposanten Rally in das Blue-Chip-Barometer zurückgekehrt.
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