Sonstiges

Leserfrage Was erwartet die deutschen Aktionäre der RBS ?

[10:26, 11.11.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Maximilian Pisacane auf die Frage von Robert Asal aus Grenzach-Wyhlen.




Es ist ein historisches Ereignis – aber ein trauriges: Niemals zuvor erhielt eine Bank so hohe Staatshilfen wie die  Royal Bank of Scotland ( RBS). 25,5 Milliarden Pfund pumpt Großbritannien in das Institut und erhält dafür weitere Aktien. Weitere acht Milliarden stecken in einem Fonds – für den Fall, dass  RBS erneut in die Krise schlittert. Damit gehören nun 84 Prozent der Bank dem britischen Staat, was das Geldhaus faktisch zum (Teil-) Staatsbetrieb macht. Und das ist auch der Grund, warum sie (teil-)zerschlagen wird.

Zum Verkauf von Beteiligungen, die etwa zehn Prozent des britischen Privatkundenmarkts ausmachen, wurde die  RBS verdonnert: In England, Wales und Schottland schließt sie Filialen. Vom Versicherungs- und vom lukrativen Rohstoffgeschäft muss sich die Bank ebenfalls trennen. Ein schwerer Schlag für die Schotten, denn diese Einheiten setzten im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Pfund um. Das entspricht etwa 21 Prozent der 2008er-Einkünfte. „Die Ertragskraft der neuen Gruppe wird ernsthaft geschwächt“, meint Robert Talbut von London Asset Management.

Mit der Verstaatlichung und Zerschlagung macht sich der britische Finanzminister Alistair Darling nicht gerade zum Liebling der Anleger. „Die Kapitalerhöhung führt zu einer deutlichen Verwässerung für die Altaktionäre“, sagt Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Denn der Gewinn muss jetzt auf mehr Anteilscheine verteilt werden. Ein Beispiel: Die Aktie der Musterbank AG kostet einen Euro, der zu erwartende Gewinn für das kommende Jahr wird auf zehn Cent geschätzt – daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zehn. Verdoppelt sich die Aktienzahl, halbiert sich rein rechnerisch der Gewinn je Aktie, und das KGV schnellt auf 20.

Wegen der erlittenen Kursverluste klagen nun einige britische Aktionäre vor Gericht. „Doch für deutsche Anleger kann dieser Weg teuer werden“, sagt Anlegerschützer Hechtfischer. Zumal die Anwaltsgebühren bei grenzüberschreitenden Fällen exorbitant steigen und zudem noch die Kosten für das Übersetzen des Schriftverkehrs anfallen.

In einem solch speziellen Fall haben Anleger bei ausländischen Aktien auch in anderer Hinsicht das Nachsehen: Denn niemand kann sagen, ob Finanzminister Darling die  RBS nicht irgendwann völlig verstaatlicht. Dann droht eine ähnliche Enteignung wie bei der  Hypo Real Estate. „Ob in diesem Fall alle Aktionäre entschädigt werden, weiß keiner“, meint Hechtfischer. „In Deutschland hätten Aktionäre die Möglichkeit eines Spruchverfahrens, in dem ein Gericht den Fall prüft und entscheidet.“ Auf der Insel gibt es das nicht.


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