Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur
Patrick Schroth auf die Frage von Dirk Michalski aus Bremen.
Zeit ist Geld. Nirgends hat dieser Satz größere Gültigkeit als an der Börse.
Wer Kauf- oder Verkaufsaufträge am schnellsten am Markt platziert, erhöht
seine Chancen, den besten Preis gestellt zu bekommen, und hat die Nase vorn. Das
war schon in der Ära des guten alten Präsenzhandels so, als Makler aus Fleisch
und Blut mit ihren wilden Gesten und lauthals herausgebrüllten Auftragsdetails
Szenerie und Flair an den globalen Wertpapiermärkten dominierten.
Heute ist das nur noch Nostalgie. Längst haben Großrechner die Aufgabe übernommen,
Handelsaufträge voll automatisiert umzusetzen. Angaben des Börsenbetreibers
NYSE Euronext zufolge werden rund 46 Prozent des täglichen Volumens an der Wall Street per sogenanntem „High Frequency Trading“ abgewickelt. Dabei entscheiden Millisekunden darüber, wer gewinnt oder verliert.
Tempo wird zum Wettbewerbsvorteil. Das gilt in besonderem Maße für eine ganz geschwinde Sorte von Marktteilnehmern. Sogenannte Flash-Trader versuchen mithilfe von speziellen Computerprogrammen, wiederkehrende Muster in den börsentäglichen Kursbewegungen zu entdecken oder Preisdifferenzen zwischen einzelnen Marktplätzen, die manchmal
nur für die Dauer eines Wimpernschlags existieren, zum eigenen Vorteil zu nutzen.
Blitzschnell und emotionslos schlagen die chipgesteuerten Zocker zu. Ihre leistungsstarken
EDV-Gehirne auf dem neuesten Stand der Technik zu halten verursacht enorme Kosten. Um diese hereinzuholen, bewegen die wagemutigen Schnellfeuerspekulanten enorme Summen.
Das Wettrüsten lässt allerdings Geschäftspraktiken blühen, die nun vermehrt nationale Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen. So bieten einige Blitzbörsianer an, bestimmte Auftragsdetails zurückzuhalten und sie bevorzugten Topkunden für den Bruchteil einer Sekunde früher anzuzeigen – gegen saftige Gebühren, versteht sich. Dieser Zeitvorsprung
kann bares Geld wert sein. Kritiker monieren, dass auf diese Art aber auch der
bewussten Marktmanipulation Tür und Tor geöffnet sei. Dann nämlich, wenn die Anbieter nur zum Schein riesige Kauf- oder Verkaufsorders in ihren elektronischen Büchern haben. Die Computersysteme erlauben es theoretisch, Millionen von Aufträgen zu simulieren, die zeitgleich storniert werden.
Ziel des Bluffs: Im guten Glauben, die Großbestellung werde den Kurs deutlich
bewegen, ordern andere Marktteilnehmer selbst nach – und füllen dem Blitzbetrüger
so die Taschen. In Europa waren derartige Flash-Trades schon immer untersagt,
und auch in den USA soll den talentierten Täuschern demnächst das Handwerk gelegt werden.
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