Sonstiges

Leserfrage Was hat es mit dem jüngsten Umbau im DivDAX auf sich?

[10:26, 16.09.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Sebastian Ertinger auf die Frage von Andreas Heuffer aus Heilbronn.




Lange haben sie die Herzen der Dividendenjäger erfreut:  Daimler,  BMW,  Merck und die  Deutsche Bank schütteten ansehnliche Beträge aus, was ihnen einen Platz im DivDax einbrachte. Dieser Index bildet die 15 Unternehmen des Dax mit der höchsten Dividendenrendite ab. Doch damit ist nun Schluss: Mit der Krise sanken ihre Gewinne, und die Aktionäre müssen sich in diesem Jahr mit geringeren Dividenden begnügen. Damit haben die vier Titel auch ihre Eintrittskarten für das besondere Auswahlbarometer verloren und weichen  K+S,  Siemens,  Metro und der  Deutschen Börse, die aktuell höhere Dividenden ausschütten. Die Indexmacher überprüfen die Zusammensetzung des DivDax jedes Jahr im September.

Die Turbulenzen durch die Finanzkrise hatten gravierende Auswirkungen auf einzelne Unternehmen und ihre Ausschüttungspolitik. Insbesondere die in der Vergangenheit so dividendenstarken Banken und Versicherungen fuhren milliardenschwere Verluste ein und mussten teilweise sogar um ihre Existenz bangen. Daher kappten sie die Ausschüttungen an die Anteilseigner. Mit der  Deutschen Bank schied in Deutschland nun das letzte Finanzinstitut aus dem Reigen der dividendenstarken Titel aus.

Die rasante Entwicklung führte zu einer kuriosen Situation: Da der Index nur einmal im Jahr neu gewichtet wird, notierte die  Commerzbank im DivDax - ohne eine Dividende auszuschütten. Dazu musste sich die Bank im vergangenen Dezember im Gegenzug für die Staatshilfe verpflichten. Gemäß den bislang geltenden Regeln hätte die Aktie bis zur regulären Überprüfungsrunde im September 2009 im DivDax verharren müssen.

Die  Deutsche Börse, die Erfinderin des Index, entschloss sich aber, die Regeln für das Barometer zu ändern und ein "Fast-Exit-Kriterium" - einen Schnellausstieg - einzuführen. "Nach diesem Kriterium fallen Unternehmen aus dem DivDax, wenn sie öffentlich angekündigt haben, keine Dividende im laufenden Jahr auszuschütten", heißt es. Der tatsächliche Ausschluss erfolgt dann zu einem quartalsweisen Stichtag. An diesem Termin wird auch die Gewichtung der Indexmitglieder entsprechend der aktuellen Marktkapitalisierung angepasst. Dabei bleibt der Anteil je Titel aber auf höchstens zehn Prozent begrenzt.

Trotz der neuen Regel zum Schnellrauswurf sollten Anleger, die den Kauf von auf dem DivDax beruhenden Fonds oder Zertifikaten erwägen, aber eines bedenken: Die Auswahl der DivDax-Mitglieder richtet sich nach den bisher gezahlten Dividenden, nicht nach den künftig erwarteten Ausschüttungen. Unliebsame Überraschungen sind daher auch künftig keineswegs ausgeschlossen.

 


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© 2009 boerse-online.de, © Illustration: Bloomberg

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