Sonstiges

Leserfrage "Was ist der Fibonacci-Faktor"

[10:30, 15.04.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Maximilian Pisacane auf die Frage von Stephan Heuser aus Dortmund.





Eine Leiche im Pariser Louvre. Daneben eine seltsame Zahlenfolge. Robert Langdon erkennt sie als sogenannte Fibonacci-Folge. Im Film "Der Da  Vinci Code" - nach dem Bestseller "Sakrileg" von Dan Brown - führen die Zahlen den von Tom Hanks gespielten Historiker zum Mörder. Börsianer hingegen verwenden diese Zahlen zur Vorhersage von Aktienkursentwicklungen.

In dem im Jahre 1202 veröffentlichten "Liber Abaci" von Leonardo da Pisa, besser bekannt als Leonardo Fibonacci (vom italienischen "figlio di Bonaccio" - Sohn des Bonaccio), kommt diese unendliche Zahlenfolge vor: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377, 610, 987, 1597 und so weiter. Jede Zahl ergibt sich aus der Addition der beiden vorherigen. Laut Ursprungslegende wollte ein Kaninchenzüchter wissen, wie groß seine Population nach einem Jahr ist, wenn jedes Paar ab dem zweiten Lebensmonat ein weiteres Paar pro Monat zeugt und zur Welt bringt. Mit der Zahlenfolge lassen sich aber auch einige börsenmathematische Erkenntnisse gewinnen. Die ermittelten Werte gelten nämlich als charttechnisch wichtige Widerstände oder Unterstützungen.

Dividiert man beispielsweise eine Fibonacci-Zahl durch die vorangegangene, ergibt sich der Fibonacci-Faktor 1,618. Auf 0,618 kommt man, wenn man eine Zahl durch die nächste teilt. In Kunst und Architektur ist dieser Wert als Goldener Schnitt bekannt. So basiert die berühmte Zeichnung des vitruvianischen Menschen von Leonardo da  Vinci auf dem Goldenen Schnitt. Auch Charttechniker nutzen diese Zahl: Sie subtrahieren den Tiefststand vom Höchststand eines Kurses und multiplizieren die Differenz mit dem Goldenen Schnitt. Das Ergebnis addieren sie zum Tief hinzu. So ergibt sich für den Dax ein Kursziel von 5843 Punkten.

Ein weiterer Fibonacci-Faktor verdient gegenwärtig besondere Beachtung: 0,382. Diesen erhält der Analyst, indem er eine Fibonacci-Zahl durch die übernächste teilt, zum Beispiel 144 durch 377. Subtrahiert man nun vom Dax-Hoch (8093 Punkte) das 2003er-Tief (2203 Punkte), multipliziert die Differenz mit dem Fibonacci- Faktor 0,382 und addiert das Tief hinzu, ergibt sich ein Indexstand von 4453. Dieses Niveau stellt einen Widerstand dar, den der Dax jetzt knacken muss.

Interessant ist auch die Region um 3600 Punkte. Auf diesen Wert kommen die Fibonacci-Anhänger, indem sie den Faktor 0,382 verdoppeln und weitere Rechnungen durchführen. Etwa im Bereich dieser wichtigen Unterstützung drehte der Dax im März nach oben. Den Romanhelden Robert Langdon führten die Fibonacci-Zahlen zum Geheimnis des Heiligen Grals. An der Börse sind sie wohl auch eine Glaubensfrage.

 


Haben Sie noch Fragen? Senden Sie sie uns per Mail unter dem Stichwort: „Leserfrage“ an  leserbriefe@boerse-online.de

Die neue Ausgabe von BÖRSE ONLINE erscheint am 16. April. Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, dann schließen Sie doch gleich ein Probeabo ab. Informieren Sie sich in unserem  Abo-Shop.




© 2009 boerse-online.de, © Illustration: boerse-online.de

Empfehlen

Facebook Twitter XING

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Webnews weblinkr Yahoo MyWeb YiGG


DAX 6.285,75

-149,85 Punkte/-2,33%
Chart
DAX Tops
  Kurse Diff%
75,63 +0,05%
23,75 -0,31%
47,38 -0,90%
52,58 -0,94%
DAX Flops
  Kurse Diff%
14,64 -5,00%
8,39 -4,26%
78,14 -4,05%
39,32 -3,99%
Kaufen Sie nach dem verpatzten Börsenstart nun Facebook-Aktien?
 
Ihre Stimmabgabe für das Leserinvestment der Ausgabe 24/2012

Grosse Lesserumfrage Zertifikateemittent 2012
Boerse Online DATA INTERAKTIVE
Finden Sie uns auf Facebook
Mehr Videos »