Sonstiges

Leserfrage Was ist von Kaufangeboten bei Immofonds zu halten?

[10:26, 09.09.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Wolf Brandes auf die Frage von Uwe Langheine aus Peine.




Seit Ende Oktober 2008 sind einige offene Immobilienfonds geschlossen. Anleger konnten nur noch mit Abschlag über die Börse verkaufen, weil den Gesellschaften die Liquidität fehlte, Anteile zurückzunehmen. Doch die Lage hat sich inzwischen entspannt. Von den anfangs zwölf gesperrten Fonds sind die meisten wieder geöffnet. Nur Degi Europa, MS P2 Value und TMW Weltfonds sowie ein Fonds von Kan Am und  UBS sind noch zu. Trotz dieser Entwicklung bekommen ­Anleger von Immofonds weiter Kauf- oder Umtauschangebote von zwielichtigen Firmen - die man nicht annehmen sollte.

Die Gesellschaft E&R Vermögensberatung aus Aalen wollte Investoren noch im August Anteile des CS Euroreal abluchsen, obgleich der Fonds bereits seit Ende Juni wieder geöffnet ist. Im Gegenzug hätte man eine Beteiligung an der Firma bekommen. Ein anderes Beispiel: Der Private Equity Fonds I wollte die Anteile des - ebenfalls wieder offenen -  Axa Immo­select bekommen, indem er einen Anteil eines KK Immobilienfonds anbietet. Bei einem Tausch würden die Kunden an einem Wohnheim und einem Ärztehaus beteiligt werden. Solche Engagements wären ohnehin ein völlig anderes Risiko als ein Immobilienfonds, der breit gestreut Gewerbeimmobilien besitzt.

Dreist sind auch Kaufangebote wie das der Firma P8G UG aus Steinheim am Albuch, die kürzlich pro Anteil des Degi Europa 55 Euro zahlen wollte. Wie andere Angebote war auch diese Offerte befristet und könnte bei manchen Kunden den Eindruck erwecken, dass es sich um ein interessantes Gebot handelt. Das Gegenteil war der Fall: Zur gleichen Zeit wurde der Immobilienfonds von Degi mit rund 62 Euro an der Börse gehandelt.

Kunden erhalten die im "Bundes­anzeiger" veröffentlichten Kauf- und Umtauschangebote meist über ihre Depotbank zugeleitet. In einem Anschreiben an die Kunden zeigt sich, dass die Institute gezwungen sind mitzumachen: "Wir setzen Sie gemäß den AGBs von dem nach­folgenden Angebot in Kenntnis." Das Weiterleiten von öffentlichen Angeboten durch die depotführenden Banken ist ein üblicher Vorgang, der bei Kaufangeboten für Aktien regelmäßig vorkommt. Die Bank prüft das Angebot in der Regel nicht. Das kann es für Fondsinhaber schwer machen, die Werthaltigkeit einzuschätzen. Der Brief der Depotbank vermittelt möglicherweise auch den Eindruck, als handele es sich um eine seriöse Offerte.

Bereits in der ersten Krise der offenen Immobilienfonds vor drei Jahren hatte es solche Angebote gegeben. So wollte damals eine Firma Anteile des Grundbesitz-Invest mit 35 Prozent Abschlag kaufen. Schon damals wäre es falsch gewesen, das Angebot anzunehmen.

 


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© 2009 boerse-online.de, © Illustration: Axel Griesch

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