Sonstiges

Leserfrage Was passiert, wenn eine Anleihe herabgestuft wird?

[12:15, 24.07.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Dennis Kremer auf die Frage von Markus Werner aus Hamburg.





Diese Buchstabenkombinationen können selbst gestandenen Firmenchefs den Schweiß auf die Stirn treiben: "BB+" oder "Ba1". Mit solch kryptischen Codes bezeichnen Ratingagen­turen wie Standard & Poor's (S&P) und Moody's Anleihen von Unternehmen, die sie in den spekulativen Bereich herabgestuft haben. Im Jargon der Finanzbranche sprechen die Banker von "Fallen Angels", gefallenen Engeln.

Gefallen sind in diesem Jahr viele: Die sogenannten Downgrades prasselten im ersten Halbjahr 2009 auf Unternehmen und auch Staaten ein wie nie zuvor. Die Wirtschaftskrise zwang beispielsweise Moody's dazu, allein im Juni 76 europä­ische Firmen herabzustufen - ein Rekordwert. Die Welle der Abwertungen bringt nun auch private Anleiheinvestoren ins Schwitzen. Denn die Folgen einer Herabstufung können gravierend sein.

Am härtesten trifft es Anleger, die zu einem Zeitpunkt in Fallen Angels investierten, als deren Ratingnoten noch im soliden Investmentgrade-Bereich lagen. Dieses Segment trägt seinen Namen zu Recht: Denn in der Regel dürfen institutio­nelle Anleger wie etwa Versicherungs­gesellschaften oder Pensionsfonds nur in Unternehmen investieren, die zum Investmentgrade-Bereich gehören. Fällt eine Firma dort heraus, müssen die Gesellschaften deren Anleihen verkaufen.

Die Folge: Die Kurse der Bonds sinken. Das allein braucht Privatanleger noch nicht zu verunsichern. Schließlich hält die Mehrzahl von ihnen ihre Bonds bis zum Ende der Laufzeit, ohne zwischendurch auf Kursbewegungen zu achten. Fällt eine Anleihe aber in den spekulativen Bereich, gehen die Agenturen von einer deutlich erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeit aus - möglicherweise steuert eine Firma auf die Pleite zu. "In einer solchen Situation kann es besser sein, die Anleihen trotz Verlust zu verkaufen", sagt Stefan Kolek, Kreditstratege bei Unicredit. "Im Falle einer Insolvenz kann es nämlich lange dauern, bis Anleger wieder an ihr Geld kommen."

Für Risikofans können Herabstufungen aber auch ein Anlass zum Einstieg sein: Wenn der Kurs einer Anleihe fällt, steigt im Gegenzug die Rendite. Ist ein Privatanleger trotz Downgrade von der Finanzkraft einer Firma überzeugt, kann er so einen höheren Ertrag einstreichen als Investoren, die die Anleihe vor der ­Herabstufung gekauft haben. Allerdings sollten Anleger derzeit nicht zu viel aufs Spiel setzen, warnt Kreditstratege Kolek. Denn auch wenn die Wirtschaft das Jammertal allmählich zu überwinden scheint: In der Regel kommt es in der letzten Phase einer Krise zu den meisten Pleiten. Einige Anleiheausfälle dürften Anlegern also noch bevorstehen.

 


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