Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur
Dennis Kremer auf die Frage von Hans Eisend aus München.
Schütze deine Quellen. Auch die Redakteure der argentinischen Tageszeitung "La Nación" haben diesen journalistischen Grundsatz verinnerlicht. Doch Anleihebesitzer in aller Welt hätten wohl liebend gern, dass die Zeitung zumindest einmal ihren hohen Anspruch vernachlässigen würde. Denn was das Blatt im Oktober meldete, war eine Sensation für die sonst wenig schlagenzeilenträchtigen Bondmärkte: Die argentinische Regierung denke darüber nach, Anleihegläubigern ein neues Umtauschangebot zu machen. Woher genau die Zeitung die Information hatte, verriet sie aber nicht.
Fast acht Jahre nach dem Staatsbankrott Argentiniens Ende 2001 macht die Meldung all jenen Anleihebesitzern Hoffnung, die auf das frühere Umtauschangebot des Staates im Jahr 2005 nicht eingegangen waren. "Solange es keine Bestätigung des Finanzministeriums gibt, muss man die Nachricht als Gerücht behandeln", sagt aber Mauro Toldo, Experte für Schwellenländeranleihen bei der Dekabank.
Den Handel mit argentinischen Bonds hat das Gerücht allerdings bereits belebt. Der Kurs der Anleihen kletterte im Schnitt von rund 20 auf etwa 30 Prozent. Doch viele Fachleute halten die Hoffnung auf ein besseres Angebot, die sich in dem Kursanstieg ausdrückt, für trügerisch. Zwar scheint die argentinische Regierung fest gewillt, nach Jahren der Abstinenz wieder an den internationalen Kapitalmarkt zurückzukehren und Staatsanleihen in Dollar zu begeben. Allerdings steckt das Land in der Zwickmühle: Einerseits ist Argentinien darauf angewiesen, sich mit den Anleihebesitzern zu einigen. "Nur so kann die Regierung das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen", sagt Deka-Experte Toldo. Bliebe eine Einigung aus, dürften Anleger kaum an neuen Anleihen interessiert sein.
Andererseits können Besitzer alter Bonds kaum mit deutlichem Entgegenkommen der Regierung rechnen. Dem steht schon das Gesetz entgegen: Ein besseres Angebot als 2005 darf Argentinien Gläubigern nur machen, wenn der Staat auch den Investoren die besseren Konditionen einräumt, die die frühere Offerte akzeptiert hatten. Das ist unwahrscheinlich. Damals nämlich gaben sich rund drei Viertel der Bondbesitzer mit einer Entschädigungsrate von etwa 30 Prozent des Nominalwerts ihrer Bonds zufrieden. Für Argentinien würde ein höheres Rückzahlungsangebot also sehr teuer werden.
Besitzer alter Argentinien-Anleihen haben darum keine große Wahl: Entweder sie nutzen den jüngsten Kurssprung und verkaufen jetzt ihre Bonds. Oder sie hoffen darauf, dass der Staat allen Investoren doch einen Nachschlag im Vergleich zum Jahr 2005 gewährt. Dazu allerdings müsste aus dem Gerücht Gewissheit werden.
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