Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch wird
das Börsengeschehen
beeinflusst? Was bedeutet
ein bestimmter Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unsere Redakteurin Jutta Reuffer auf die Frage von Andreas Weber aus Stuttgart.
Ob süß oder sauer, leicht oder schwer
– die Vielfalt beim Rohstoff Öl ist
groß. Das Handbuch der Energy
Intelligence Group listet mehr als 161 Sorten
auf, die weltweit gefördert und gehandelt
werden. Einschließlich neuer Quellen
liegt ihre Zahl wohl bei über 270. Die Herkunft
reicht von Alaska North Slope bis
hin zu Zuetina in Libyen.
Für den Preisdurchblick sorgen seit
Mitte der 80er-Jahre festgelegte Bezugsgrößen,
sogenannte Crude Oil Benchmarks
oder Oil Markers. An den Kursen
der Referenzöle Brent Blend, West Texas
Intermediate (WTI) und Dubai Fateh orientieren
sich nicht nur die Benzinpreise.
Ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft sowie
auf die Aktien- und Devisenmärkte ist
enorm. Auch Finanzprodukte wie Zertifikate
für Privatanleger basieren vorrangig
auf Brent und WTI.
Europas wichtigste Ölsorte an der Londoner
Terminbörse Intercontinental Exchange
(ICE) ist Brent Blend, gefördert in
der Nordsee zwischen den Shetlandinseln
und Norwegen. Sie zeichnet sich durch
einen niedrigen Schwefelgehalt und geringe
Dichte aus – im Fachjargon „süß“.
Noch süßer und leichter ist das USReferenzöl
WTI, das vor allem an der
New York Mercantile Exchange (Nymex)
gehandelt wird. Der Nymex Light Sweet
Crude Oil Future ist der meistgehandelte
Rohstoffkontrakt der Welt. Er erreicht die
Hälfte des globalen Öl-Handelsvolumens.
Auslieferungspunkt ist Cushing in Oklahoma,
das mit den internationalen Rohstoffmärkten
via Pipelines verbunden ist.
Deutlich saurer und schwerer hingegen
fallen die Sorten Dubai Fateh und
Opec-Oil aus. Sie werden vor allem im
asiatischen Raum gehandelt und vorwiegend
auch dort weiterverarbeitet. Das Öl
der Organization of the Petroleum Exporting
Countries (Opec) ist ein Korb von
elf verschiedenen Ölsorten, aus denen ein
gemittelter Durchschnitt errechnet wird.
Die leichten und süßen Rohöle können
in Raffinerien besser zu Produkten verarbeitet
werden. Bei schweren und sauren
Sorten ist der Prozess aufwendiger und
teurer. Gängiges Handelsmaß ist ein Fass,
auch Barrel genannt, das 42 Gallonen und
damit 159 Liter Rohöl enthält. Im Falle von
Brent kann es zu 74 Litern Benzin, 35 Litern
Heizöl, 15,5 Litern Kerosin und 8,5
Litern sonstigen Brennstoffen verarbeitet
werden. Der Rest lässt sich als Schmierstoffe
und Chemikalien verkaufen.
Traditionell erzielen die leichteren
und schwefelarmen Sorten aufgrund der
einfacheren Verarbeitung höhere Preise:
Derzeit kostet Brent an der ICE 75 Dollar,
WTI an der New York Mercantile Exchange
73 Dollar, Dubai Fateh liegt meist einen
Dollar darunter. Weitgehend entwickeln
sich ihre Kurse parallel. Eine geänderte
Nachfrage oder Spekulanten können diese
Verhältnisse aber zeitweilig verzerren.
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