Sonstiges

Leserfrage Wie funktioniert die Xetra-Schlussauktion?

[10:26, 30.09.09]




Wie erklären sich bestimmte Marktentwicklungen? Wodurch wird das Börsengeschehen beeinflusst? Was bedeutet ein bestimmter Fachausdruck? Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur Maximilian Pisacane auf die Frage von Marian Egide aus Rostock.




Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten - dann schlägt der Hammer zu. So laufen Auktionen normalerweise ab. Beim Handelssystem Xetra funktioniert es jedoch ein wenig anders, und einen Hammer gibt es da auch nicht.

Am Ende des Börsentags sollen möglichst viele Aktien eines Unternehmens in dieser Auktion zu einem einheitlichen Preis gehandelt werden. Vor allem für den Derivatehandel ist das wichtig, da für diese Produkte der Tagesschlusskurs maßgeblich ist.

Die Auktion beginnt um 17.30 Uhr mit der Aufrufphase, die fünf Minuten dauert: Hierbei stellt die Börse einen geschätzten Preis - im Fachjargon "indikativer Preis" genannt. In dieser Zeit werden alle Orders eingebracht, die im Laufe des normalen Handelstags nicht ausgeführt wurden. Außerdem werden die Aufträge abgewickelt, die mit "auction only" gekennzeichnet sind.

Es folgt das sogenannte Random End (zufälliges Ende), das zwischen null und 30 Sekunden dauert. Die Auktionsdauer kann also insgesamt zwischen fünf und fünfeinhalb Minuten schwanken. Das Zufallsprinzip soll verhindern, dass ­Akteure gezielt in letzter Sekunde ihre Orders abgeben und so eventuell den Preisfindungsprozess beeinflussen. Solche Verfälschungen gibt es beispielsweise bei Ebay-Auktionen, wo die Mehrheit der Bieter ihr Angebot meist erst kurz vor ­Ablauf der Versteigerung abgibt und der Preis in den letzten Handelsminuten häufig nach oben schießt.

Die nächste Phase bei der Xetra-Auktion dient der Preisermittlung. Hier errechnen Computer, zu welchem Kurs das höchste Volumen an Aktien den Eigen­tümer wechseln kann. Dieser Preis bildet dann den offiziellen Schlusskurs. Als ­weitere Sicherheitsmaßnahme gibt es die sogenannte Volatilitätsunterbrechung, die bis zu zwei Minuten dauern kann. Diese greift, wenn der mutmaßliche Schlusskurs zu stark vom vorhergehenden Handelspreis abweicht. Dann kann die Schluss­auktion bis zu 7,5 Minuten dauern.

Zu Kurssprüngen kann es dennoch kommen. Denn so mancher Investor gibt seine Order speziell für die Auktion auf. Damit erhoffen sich diese Anleger, dass die Aufträge als Ganzes und nicht als Teil­ausführung platziert werden. Auch sammeln sich in den handelsfreien Stunden Orders an, die dann in den Auktionen ausgeführt werden. Hier spricht man von Iceberg-Orders.

Die Börsentafel zeigt den letzten Kurs spätestens um 17.40 Uhr an, obwohl ­eigentlich zehn Minuten früher Handelsschluss ist. Am Ende der Schlussauktion beginnt der nachbörsliche Handel. Dieser endet erst mit der Eröffnungsauktion - auch die kommt ohne Hammer aus.

 


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