
Markus Hinterberger
Wie erklären sich
bestimmte Marktentwicklungen?
Wodurch
wird das Börsengeschehen
beeinflusst?
Was bedeutet ein bestimmter
Fachausdruck?
Leser fragen, wir antworten – in diesem Fall unser Redakteur
Markus Hinterberger (Foto) auf die Frage von Herbert Breuer aus Hildesheim.
Seit dem 14. Februar 2008 steht das
Thema Bankgeheimnis in diskreten,
nicht zur EU gehörenden Alpenstaaten
in der Diskussion. An diesem Tag
erfuhr die Öffentlichkeit, dass der damalige
Chef der
Deutschen Post Klaus Zumwinkel
Millionen am Fiskus vorbei in eine
liechtensteinische Familienstiftung eingebracht
hatte. Zuvor hatte der Bundesnachrichtendienst
die Daten von rund 1700
Stiftungsinhabern einem ehemaligen Angestellten
der liechtensteinischen LGTBank
für fünf Millionen Euro abgekauft.
Eine weltweite Jagd nach potenziellen
Steuersündern nahm ihren Anfang.
Neben dem kleinen Fürstentum Liechtenstein,
wo rund 145 Milliarden Euro aus
dem Ausland schlummern sollen, kam
auch die Schweiz unter Beschuss: Steuerexperten
vermuten, dass bei den Eidgenossen
rund 1,5 Billionen Euro an ausländischem
Geld hinter dem Schweizer
Bankgeheimnis Schutz suchen.
Diese Fluchtburg droht nun gestürmt
zu werden. Als stärkster Rammbock der
Belagerer erweist sich ausgerechnet der
weltgrößte Vermögensverwalter, die
Schweizer Bank
UBS. Im Zuge der weltweiten
Steuerrazzien wurde der amerikanische
Fiskus auf die Schweizer aufmerksam.
Er forderte die Herausgabe der
Namen sämtlicher US-Bürger, die ihr
Geld über die
UBS off shore – also außerhalb
der USA – angelegt haben. Sollte die
Bank dieser Forderung nicht nachkommen,
droht die Steuerbehörde der
UBS
mit dem Verlust der Banklizenz. Für die
Bank ein Dilemma: Bleibt sie stur, verliert
sie ihr US-Geschäft. Gibt sie Daten weiter,
verstößt sie gegen das Schweizer Bankgeheimnis.
Denn die Eidgenossen sehen
Steuerhinterziehung nicht als Straftatbestand,
der sie zur Amtshilfe zwingt. Die
UBS wandte sich an die Eidgenössische
Steuerverwaltung, die sie ausnahmsweise
zur Amtshilfe ermächtigte.
Seit dieser Entscheidung vor rund
einem Monat haben die
UBS und die Eigenössische
Steuerverwaltung mit Klagen
zu kämpfen. Der Tenor: Man opfere das
Bankgeheimnis aus wirtschaftlichen Interessen.
Noch sind in den USA keine
Daten angekommen, viele Kunden haben
Einspruch eingelegt.
Mit großem Interesse verfolgt den
Streit das Finanzministerium in Berlin.
Denn deutsche Anleger haben Schätzungen
zufolge 200 bis 300 Milliarden Euro in
der Schweiz geparkt. Restlos glücklich ist
Finanzminister Peer Steinbrück mit dem
Alleingang der USA jedoch nicht. Er zieht
internationale Lösungen vor.
Im aktuellen Streit werden Schweizer
Gerichte entscheiden. Sollten die ersten
Daten über den Atlantik gehen, wird das
Vertrauen in das Schweizer Bankgeheimnis
arg schwinden. Das wäre ein harter
Schlag für die Schweizer Bankenwelt.

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