Keinen Illusionen sollten sich Privatanleger hingeben: Es sind vor allem die Großinvestoren und Analysten, die die Aktiengesellschaften mit ihrer Investor-Relations-Arbeit (IR) erreichen wollen, das belegen Umfragen. Das ist verständlich, bewegen sie doch die Kurse am stärksten. Trotzdem: Eine gute Informationspolitik gegenüber Kleinanlegern zahlt sich aus – und zwar für beide Seiten. Je besser sich Privatinvestoren von den IR-Abteilungen betreut fühlen, desto besser bewerten sie auch die Arbeit der Unternehmen insgesamt. Und desto konstanter investieren sie in deren Aktien.
Bereits zum vierten Mal wollte BÖRSE ONLINE daher wissen, wie sich Privatanleger von den IR-Abteilungen der großen deutschen börsennotierten AGs behandelt fühlen. Zur Bewertung standen in der Kategorie Blue Chips die 30 DAX-Werte, in der Kategorie Mid Caps die 50 MDAX- und 30 TecDAX-Titel sowie als Small Caps die 50 Titel aus dem SDAX. Insgesamt gingen rund 1500 Einzelbewertungen zu den AGs ein. Wenn Sie wissen möchten, ob Sie zu den Gewinnern unseres Dankeschön-Preisausschreibens unter allen Teilnehmern gehören, klicken Sie bitte
hier. Beim den Blue-Chips mussten mindestens zehn Anleger zu einem Unternehmen ein Votum abgegeben haben, damit es ins Ranking aufgenommen werden konnte; bei den Mid Caps und den Small Caps waren fünf Bewertungen die Voraussetzung für die Ranking-Aufnahme. Das Ranking wurde nach der aktuellen Indexzugehörigkeit der Unternehmen erstellt. Die Umfrage fand im Zeitraum 5. Oktober bis 19. November 2006 statt.
Im Mittelpunkt unseres Fragebogens stehen stets die Glaubwürdigkeit und die Verständlichkeit der Kommunikation. Hohes Gewicht kommt insbesondere der Qualität der Ad-hoc-Mitteilungen und dem Webauftritt zu. „Das Internet ist zum Hauptmedium für den IR-Kontakt mit Privatanlegern geworden“, erläutert Matthias Wolf, Leiter der österreichischen Dependance des Beratungsinstituts psychonomics, der die Studie betreute. Er erinnert sich: „Noch vor wenigen Jahren war man froh, auf einen vernünftigen Unternehmenskalender im Web zu stoßen.“ Neu ist, dass heute auch Video- und Audio-Übertragen zum Beispiel von Analystenkonferenzen zum Standard gehören. Bis vor kurzem fanden diese unter Ausschluss der Privatanleger statt.
Auch E-Mails von Privataktionären gehören für alle IR-Abteilungen längst zum Tagesgeschäft. Daher haben wir wie in den Vorjahren erneut getestet, wie schnell die IR-Leute auf Mail-Anfragen reagieren. Unser Fazit: Sie werden immer fixer. (
Hier geht es zur Detailauswertung)
Was aber zählt für die Unternehmen selbst als gute Informationspolitik? „Die jederzeitige Erreichbarkeit gehört auf jeden Fall dazu“, sagt IR-Mann Dagobert Autering von
BMW, Sieger in der Kategorie Blue Chips (
hier geht es zum Blue-chip-Ranking). Im vergangenen Jahr hat der Münchner Autobauer zwar keine speziellen Veranstaltungen für Privatinvestoren organisiert, aber einer der Grundsätze der IR-Abteilung ist: „Wir nehmen uns für jeden Zeit, egal ob er zehn Aktien oder 10 000 Aktien von uns hat“, verspricht Autering: „Es ist unser Ziel, immer ein offenes Ohr für Investoren zu haben.“
Beim Mid-Cap-Sieger (
hier geht es zum Mid-Cap-Ranking) Deutsche Euroshop sei die Bindung zu den Aktionären besonders eng, glaubt IR-Chef Patrick Kiss: „Wir geben Namensaktien aus – dadurch kennen wir alle unsere Aktionäre. Wir gratulieren sogar jedem Einzelnen mit einem Schreiben zum Geburtstag.“ Den Bezug zu den Anlegern nutzt die AG auch gezielt zum Marketing. Wenn sie ein neues Shoppingcenter einweihe, „dann laden wir größere Aktionäre aus dem näheren Umfeld zum Eröffnungs-Galadiner ein, als Dankeschön“, sagt Kiss. So viel Mühe zahlt sich aus: Im Gesamtranking lässt Deutsche Euroshop alle anderen hinter sich. Egal, in welchem Index eine AG vertreten ist: „Die Top-Unternehmen jeder Kategorie sind in ihrer IR-Qualität ebenbürtig“, bekräftigt Wolf.
Immer konstant bleiben und dadurch Vertrauen erwerben, das hat sich auch Ulrich Brockmann vorgenommen, IR-Leiter bei
Fielmann und Sieger bei den Small Caps (
hier geht es zum Small-Cap-Ranking). Er ist schon seit 16 Jahren verantwortlich für Finanzinfos des Brillenherstellers. „Im Prinzip haben wir seither die gleichen Grundsätze: offen und transparent kommunizieren und fachlich kompetent Auskunft geben“, bekräftigt Vorstandsvorsitzender Günther
Fielmann.
Beim BIRD 2006 findet sich erneut eine Bestätigung für den vermuteten Zusammenhang zwischen guter Aktienkursentwicklung und guter IR-Arbeit: Insbesondere bei den SDAX-Untenehmen erhielten die IR-Abteilungen besonders gute Noten, deren Kurs am meisten gestiegen war. Das zeigt, wie wichtig gerade kleinere Unternehmen IR nehmen sollten. Bei den anderen beiden Kategorien war dieser Zusammenhang allerdings etwas schwächer ausgeprägt.
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