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Termine

Lautes Echo auf MLP-Story

[09:45, 14.08.02]


Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Echo auf den Fall  MLP ist in den vergangenen Tagen noch lauter geworden. In den Blickpunkt und in die Kritik rückte dabei auch, dass BÖRSE ONLINE Artikel über Bilanzierungspraktiken des Finanzdienstleisters mit dem Pseudonym Felix Schulz­Lohmann gezeichnet hatte. In der Presse war und ist es jedoch nicht ungewöhnlich, den Namen des Verfassers nicht zu nennen; ein Beispiel dafür war "Der Spiegel". Zum Schutz von Mitarbeitern arbeitet auch BÖRSE ONLINE in Einzelfällen mit Pseudonymen. Zunächst galt das für die Berichterstattung über den Grauen Kapitalmarkt, als nach Beiträgen über kriminelle Methoden unsere Autoren wüste Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen erhielten. Aus ähnlichen Gründen haben wir bei Artikeln über dubiose Neuemissionen vereinzelt Decknamen verwendet.

Bei  MLP entschied sich BÖRSE ONLINE angesichts der Erfahrungen unserer Redakteurin Renate Daum, die den ComRoad­Skandal unter ihrem Namen aufgedeckt hat, wieder für ein Pseudonym. In den neun Monaten zwischen ihrer ersten Berichterstattung und der Bestätigung unserer Recherchen durch Wirtschaftsprüfer und Staatsanwalt war Renate Daum am Telefon mehrmals vor ernsten Konsequenzen gewarnt worden, falls sie nicht aufhöre zu recherchieren. Zudem wurden in Internetforen nicht zitierfähige Geschichten über sie verbreitet. Ein Zeitungskollege bezeichnete dies als Berufsrisiko - wir sehen das weniger gelassen.

Der Schutz von Kollegen geht unserer Redaktion vor persönlicher Profilierung als investigative Journalisten. Das Pseudonym Felix Schulz­Lohmann (später durch das Kürzel VU = Von Uns ersetzt) sollte deshalb bei  MLP unser Rechercheteam aus Redakteuren mehrerer Ressorts decken. Ansprechpartner für  MLP und Medien war stets die Chefredaktion. Drohende und unflätige Anrufe, E­Mails und Briefe, die seither die Redaktion erreichen, zeigen uns, dass die Entscheidung richtig war. Wenn es wie für MLP­Aktionäre und ­Mitarbeiter um viel Geld geht, gibt es immer einige, die ausrasten. Nicht zuletzt zum Schutz der Redakteure hat der Gesetzgeber dem Verfasser eines Beitrags - anders als dem Verlag und dem im Impressum ausgewiesenen verantwortlichen Redakteur - das Recht eingeräumt, anonym zu bleiben.

Wir sind uns klar darüber, dass weitere Attacken gegen BÖRSE ONLINE lanciert werden, um vom Kern unserer Nachforschungen und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abzulenken. Doch wir führen keine Kampagne gegen MLP: Als Anlegermagazin haben wir einfach die Pflicht, unseren Lesern die Informationen zu liefern, die sie für ihre Anlageentscheidungen brauchen.

HANS G. LINDER, Herausgeber
GEREON KRUSE, Stellvertretender Chefredakteur

© 2002 boerse-online.de


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