Sichtbarster Ausdruck dieses Mangels einer Aktienkultur in Deutschland sei der geringe Anteil deutscher Haushalte, die Aktien besitzen. So nahm seit 2000 trotz der guten Börsenverfassung in den Jahren 2003 bis 2007 die Zahl der privaten Aktienanleger in Deutschland kontinuierlich um jährlich durchschnittlich 5,9% von noch 6,2 Mio. in 2000 auf weniger als 4,1 Mio. Anleger in 2007 ab. Auch im internationalen Vergleich scheinen die deutschen Privatanleger überdurchschnittlich risikoscheu zu sein. Während die Aktionärsquote in Frankreich mit 14,5% mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland mit 6,6% ist, beträgt sie in der Schweiz 20,4%, den USA 25,5% und Japan sogar 27,7%.
Diese Situation spiegelt sich nach Dieckmanns Meinung auch in der Marktkapitalisierung des deutschen Aktienmarktes in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) wider. So schneidet Deutschland mit einer Marktkapitalisierung von 57% des BIPs im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. In anderen Industrieländern ist die Marktkapitalisierung deutlich ausgeprägter, so auch in der Schweiz (323%), Großbritannien (160%), den USA (148%) oder Japan (106%). Auch die durchschnittliche Börsenkapitalisierung im Euroraum liegt mit durchschnittlich 79% deutlich über der deutschen Aktienmarktkapitalisierung.
In Deutschland sei die indirekte Aktienanlage in Aktienfonds, Zertifikaten und zunehmend auch Exchange Traded Funds stärker ausgeprägt als die Direktanlage. Diese Anlageformen sollten ebenfalls als wichtiges Element der Aktienkultur verstanden werden, erläutert Dieckmann. Berücksichtigt man auch die Aktienfondsbesitzer, investieren in Deutschland immerhin 10,3 Mio. Anleger direkt oder indirekt in Aktien. (15,7% der Bevölkerung). In Anbetracht der Tatsache, dass ca. 85% der Anlagezertifikate aktienbasiert sind und der gesamte Zertifikatemarkt zum Jahresende 2007 über ein Anlagevolumen von EUR 135,1 Mrd. verfügt , dürfte die Quote des indirekten Aktienbesitzes faktisch sogar noch deutlich höher liegen. So kam z.B. eine Umfrage im Auftrage des Deutschen Derivate Instituts 2005 zu dem Ergebnis, dass bereits 6% der Privatanleger in Anlagezertifikate investiert haben.
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