Der Kollaps von
Lehman Brothers stürzte die Welt ins Chaos. Ein Ermittler kommt nun zum Schluss: Mit Bilanztricks wurde die Lage des Wall-Street-Hauses verschleiert. Ex-Chef Fuld und die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young weisen jede Schuld von sich.

Die US-Investmentbank
Lehman Brothers stand schon Monate vor ihrer schicksalhaften Insolvenz auf wackeligen Beinen. Mit Bilanztricks kaschierte das Wall-Street-Institut seine Probleme und führte so Anleger, Geschäftspartner und Aufsichtsbehörden in die Irre. Zu diesem Ergebnis kommt ein 2200 Seiten starker Untersuchungsbericht, den der zuständige Insolvenzrichter am späten Donnerstag freigab.
Der eigens eingesetzte Ermittler Anton Valukas kommt zu dem Schluss, dass die Investmentbanker mit geschickten Buchungen einen Teil der Risiken aus den Büchern verschwinden ließen. Nach außen hin präsentierte sich
Lehman Brothers damit als gesundes Institut. "Die Manipulation der Bilanz war Absicht. Sie zielte darauf ab, die Verschuldungsquote der Bank geringer darzustellen", heißt es in dem Bericht.
Lehman war am 15. September 2008 unter einem Schuldenberg von mehr als 600 Milliarden Dollar kollabiert. Der Zusammenbruch war die größte Unternehmenspleite in der Geschichte der USA und gilt als einer der Auslöser für die schwerste Rezession der Nachkriegszeit.
Das Ergebnis der mehr als einjährigen Recherche des Rechtsanwalts wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf die damalige Bankführung, sondern auch auf die Buchprüfer von Ernst & Young. Für seinen Bericht sichtete Valukas zusammen mit seinem Stab mehrere Millionen Dokumente und führte zahlreiche Interviews.
Die Valukas-Analyse könnte auch laufende straf- und zivilrechtliche Verfahren beeinflussen. Die Staatsanwälte in Manhattan und Brooklyn ermitteln. Unter anderem gehen sie der Frage nach, ob das Top-Management um Ex-Lehman-Vorstandschef Richard Fuld die Investoren hinters Licht führte. Eine konkrete Frage lautet dabei, ob die Investmentbank ihre Immobilienbeteiligungen zu hoch bewertete.
Ermittler Valukas von der Anwaltskanzlei Jenner & Block stört sich vor allem an "Repo 105"-Transaktionen. Über Repo-Geschäfte finanziert sich eine Bank kurzfristig. Dazu verleiht sie Wertpapiere und erhält im Gegenzug Bargeld. Im Fall von "Repo 105" müssen besonders viel Sicherheiten hinterlegt werden, was es dem jeweiligen Unternehmen erlaubt, sie unter "Verkäufe" zu verbuchen.
Valukas' Vorwurf lautet nun:
Lehman machte von diesem Buchungskniff Gebrauch, um rund 50 Milliarden Dollar an illiquiden Vermögenswerten außerhab der eigenen Bilanz zu parken. Dadurch fiel der Verschuldungsgrad geringer aus, was wiederum die Ratingagenturen besänftigte. "Auf diese Weise schraubten Ratingagenturen, Aufsichtsbehörden und der Lehman-Vorstand die Verschuldung künstlich nach unten, ohne dass die Investoren davon wussten", heißt es in dem Bericht.
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