Es könnte so schön sein. Mit dem billigen Notenbankgeld im Rücken ginge die Rally an den Finanzmärkten munter weiter. Doch im Weg steht ein ernstes Hindernis: Griechenland.
Mit Griechenland steht der Ausgangspunkt der europäischen Staatsschuldenkrise wieder im Brennpunkt der Finanzmärkte. "Griechenland muss die Maßnahmen am Wochenende beschließen und sich dazu verpflichten. Die Verzögerungen machen den Markt etwas nervös", sagte Anleihenstratege Huw Worthington von
Barclays Capital der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Vergangene Woche hatte bei Marktteilnehmern lange die Überzeugung vorgeherrscht, dass Griechenland sich mit seinen Geldgebern einigen wird. Doch zum Wochenschluss kippte die Stimmung. In Athen verweigerte sich die an der Regierung beteiligte rechtsgerichtete Laos-Partei nach vorheriger Zustimmung doch noch den Sparmaßnahmen. Diese sind Voraussetzungen für weitere Finanzhilfen für das vor dem Staatsbankrott stehende Land.
"Die griechischen Politiker wissen, dass es schwierig ist, in der Euro-Zone zu bleiben. Diese zu verlassen, ist aber genauso hart. Da stehen die Griechen vor einer schwierigen Entscheidung", sagte Stephen Stanley, Chefvolkswirt beim US-Anleihehändler Pierpont. "Und selbst wenn sie sich dafür entscheiden den Euro zu behalten, kann es sein, dass die anderen Euro-Länder die Geduld verlieren und Griechenland dazu drängen, die Euro-Zone zu verlassen." Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch muss eine Einigung in den nächsten Tagen erfolgen, um einen ungeordneten Zahlungsausfall noch vermeiden zu können.
In Reaktion auf die Zuspitzung der Entwicklung geriet der
Euro und die Aktienmärkte unter Druck. Der Euro kostete am Freitagabend 1,3190 Dollar und hielt sich damit auf Wochensicht leicht im Plus. Der
DAX schloss 1,4 Prozent tiefer bei 6694 Punkten, damit verbuchte er ein Wochenminus von 1 Prozent. In New York beendete der Leitindex
Dow Jones den Handel mit 12.801 Zählern, ein Wochenminus von knapp 0,5 Prozent. Dagegen legte der japanische
Nikkei-Index im gleichen Zeitraum 0,2 Prozent auf 8947 Stellen zu.
Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag kaum verändert mit 1,922 Prozent. Britische Papiere dieser Laufzeit rentierten mit 2,12 Prozent. In der neuen Woche dürften deren Kurse steigen, da die Bank of England im Zuge ihrer geldpolitischen Lockerung weitere Gilts über 50 Mrd. Pfund Sterling vom Markt weg kaufen will, wöchentlich rund 4,5 Mrd. Pfund.
Geht das Gezerre in Griechenland weiter und steigt damit die Wahrscheinlichkeit der ersten Staatspleite in der Euro-Zone, so dürften den Märkten unruhige Tage bevorstehen. Insbesondere Staatsanleihen aus anderen kriselnden Euro-Ländern wie Portugal oder Italien könnten dann auf den Markt geworfen werden. Da dies steigende Renditen nach sich zöge, müssten die Länder auch bei Neuemissionen deutlich mehr zahlen. Und das vor dem Hintergrund von Neuemissionen in der Euro-Zone von rund 23 Mrd. Euro, wie
HSBC Trinkaus errechnete.
Bei US-Investoren richtet sich der Blick inzwischen mehr auf die eigene Konjunktur als auf Griechenland. "Die Investoren verfolgen das Geschehen dort nicht mehr so intensiv wie vor einem halben Jahr. Sie begreifen allmählich, dass die amerikanische Wirtschaft sich erholt und stabilisiert", sagte Stanley. Ob sich die US-Konjunkturhoffnungen erfüllen, werden unter anderem Zahlen zum Einzelhandelsumsatz am Dienstag und zur Industrieproduktion am Mittwoch zeigen. Zum Stimmungsbild werden auch die Konjunkturindizes der Notenbanken von New York am Mittwoch und von Philadelphia am Donnerstag beitragen.
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