Marktberichte

Marktbericht Euro schießt in die Höhe

[17:41, 20.05.10]

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Anhaltende Spekulationen an den US-Märkten über eine Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) haben den Kurs des Euro schlagartig nach oben getrieben. Er kletterte am Donnerstag im Vergleich zum Dollar zeitweise auf 1,2510. Am Mittwoch hatte die Währung noch bei 1,2144 $ notiert, dem niedrigsten Stand seit April 2006. Das Tief am Donnerstag lag bei 1.2297 $.

Grund für den Ausschlag waren neue Gerüchte über den einen Eingriff der EZB in die Devisenmärkte als Reaktion auf eine Intervention der Schweizer Nationalbank. US-Analysten und -Händler äußerten die Erwartung, dass die Europäer den Eidgenossen folgen könnten. Ähnliches war schon am Mittwoch passiert. Die Gemeinschaftswährung kletterte zwischenzeitlich bis um 0,9 Prozent auf 1,2328 $. "Der Euro steigt sprunghaft, weil darüber spekuliert wird, dass die EZB einschreiten könnte", sagte Brian Dolan, Währungsstratege bei Forex.com.


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Zuvor hatten hatten die Anleger an den Devisenmärkten verstärkt auf Sicherheit gesetzt und den Euro abgestoßen. Händler sagten, das von der Bundesregierung im Alleingang durchgesetzte Verbot von ungedeckten Leerverkäufen habe Zweifel am Zusammenhalt in der Euro-Zone geschürt und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung geschmälert.

Der Dax rutschte 2,2 % ins Minus auf 5859 Punkte. Der europäische Auswahlindex Stoxx 50 präsentierte sich 2,2 % leichter und wurde mit 2333 Zählern errechnet. In London gab der FTSE 100 1,8 % ab, der Pariser CAC 40 verlor 2,8 %.

"Die Aussagen von Angela Merkel, dass der Euro in Gefahr sei, sowie Arbeitsmarktdaten aus den USA und die angeknackste Charttechnik haben Investoren vorsichtig gestimmt", sagte Fidel Helmer, Leiter des Aktienhandels bei Hauck & Aufhäuser zu FTD.de. Der Experte verwies zudem auf den schlechten Handelsstart in Übersee, der die Abwärtsdynamik diesseits des Atlantiks beschleunigte.

In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf 471.000 gestiegen. Das stellt den höchste Stand seit einem Monat dar. Damit meldeten sich 25.000 Amerikaner mehr als in der vorangegangenen Woche. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 440.000 gerechnet. Nach Einschätzung von Experten signalisiert die hohe Zahl, dass die Arbeitslosenrate in den USA weiter hoch bleiben wird.

"An den Aktienmärkten geht es momentan geht es hin und her", sagte Oliver Roth, Chefaktienhändler bei Close Brothers Seydler zu FTD.de. "Eine erhöhte Volatilität gehört zum Tagesgeschäft mittlerweile", sagte er.

Bergbauer im Fokus

Aktien von Bergbauunternehmen rückten in das Blickfeld der Börsianer. Analysten der Bank of America/Merrill Lynch gehen davon aus, dass der abkühlende Häusermarkt in China sich negativ auf die Nachfrage nach Metall auswirken wird.  ThyssenKrupp verlor 4 %,  Salzgitter gab 1 % ab.  ArcelorMittal wurde mit einem Abschlag von 3,9 % gehandelt,  Rio Tinto verbilligte sich 5,8 %.

Europaweit standen Bankenaktien erneut auf den Verkaufslisten. "Marktteilnehmer schauen mit Argusaugen auf die politische Bühne", sagte Roth. Dabei sei die Leerverkaufs-Regelung eigentlich kein Thema mehr. Denn sie stelle eine Regulierung ohnehin regulierter Märkte dar, was eher als Populismus zu werten sei. "Viel interessanter ist eine mögliche Entscheidung hinsichtlich der Transaktionssteuer. Hinter diesem Begriff kann sich ja viel verbergen. Eine Einführung könnte sich negativ auf das gehandelte Volumen auswirken, was natürlich Finanzinstitute treffen würde", sagte er.

Die Aktie der  Deutschen Börse gab 4,9 % ab. Die  Deutsche Bank verlor 0,9 %,  Crédit Agricole notierte 2,7 % leichter,  Barclays notierte mit einem Minus von 0,8 %,  ING gab 3 % ab.

VW greift nach Italdesign Giugiaro

Vorzugsaktien von  Volkswagen drehten ins Minus und verloren 3,7 %. Der Autobauer ist daran interessiert, einen Mehrheitsanteil am italienischen Fahrzeugdesigner Italdesign Giugiaro zu übernehmen. Das Geschäft soll bereits in der kommenden Woche bekannt gegeben werden. Das erfuhr die FTD aus Konzernkreisen. Das Geschäft soll den Wachstumskurs von  VW stützen, da die hauseigene Designabteilung an ihrer Belastungsgrenze arbeite.

Luftfahrtwerte im Fokus

Die Papiere von Air France-KLM verbilligten sich 2,1 %. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft teilte mit, sie peile für das laufende Geschäftsjahr eine Rückkehr zur Gewinnschwelle an. Air France-KLM hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr noch einen Rekordverlust verbucht.

Die Aktien von British Airways verloren 3,2 %. Ein drohender Streik setzte den Papieren zu. Die Gewerkschaft Unite hatte einen Berufungsprozess gegen das Unternehmen gewonnen. Die Situation erhöhe die Unsicherheit über die weitere Geschäftsentwicklung, hieß es am Markt.  Lufthansa -Papiere gaben 2,1 % ab.

Versorger schlagen Zykliker

Zyklische Werte gehörten zu den größten Tagesverlierern.  BASF gab 3,2 %.  Siemens verlor 3,4 % und trug allein 21 von 121 Punkten zu den Verlusten im Dax bei. Aktien von Versorgern, die als defensive Unternehmen gelten, schlugen sich verhältnismäßig gut. Eon verlor 1,4 %,  RWE gab 1,2 % ab.

Infineon verlor 2,1 %. Die guten Nachrichten von Applied Materials beflügelten das Papier nicht. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal einen Überschuss von 264 Mio. $ erwirtschaftet. Dabei stieg der Umsatz des weltgrößten Chipausrüsters um mehr als das Doppelte und lag bei 2,3 Mrd. $.

Die PPR -Aktie verlor 3 %. Der Luxusgüterhersteller teilte auf der Hauptversammlung mit, es werde noch einige Zeit vergehen, bis Handelsketten wie Fnac abgestoßen werden können. Durch den Verkauf will sich PPR verstärkt auf das Luxus- und Lifestyle-Segment konzentrieren. Zugleich dementierte das Unternehmen Interesse am US-amerikanischen Lederwarenhersteller Coach.


 

© 2010 ftd

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