Die griechische Regierungspartei Laos wehrt sich gegen das Sparpaket. Die Aktienmärkte reagieren verschreckt. Das Schuldendrama zieht Finanztitel nach unten.
DAX und EuroStoxx50 verloren aufgrund der schwindende Aussicht auf eine Lösung in Griechenland bis zum Xetra-Schluss jeweils rund eineinhalb Prozent auf 6692,96 beziehungsweise 2481,98 Punkte. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland ein Prozent im Minus. Das Drama in Athen belastete auch den Euro. Er kostete mit 1,3181 Dollar rund einen US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss.
"Das sind bislang aber nur Gewinnmitnahmen", sagte Börsianer. "Da wollen einige vor dem Wochenende offenbar auf Nummer sicher gehen" Schließlich sei der DAX in den vergangenen Wochen rund 1000 Punkte gestiegen. "So lange er heute nicht unter die Marke von 6500 Punkten fällt, ist noch alles im grünen Bereich."
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Der mit immer härteren Bandagen ausgefochtene Kampf um den griechischen Sparkurs vergrätzte die Anleger. Am Anleihemarkt trennten sich Investoren von Papieren anderer Schuldenstaaten wie Italien oder Spanien und nahmen Kurs auf den "sicheren Hafen" Bundesanleihen. Der Bund-Future stieg daraufhin um 117 Ticks auf 138,27 Zähler. Griechenland und seine europäischen Partner sind auf Konfrontationskurs, weil eine der Athener Regierungsparteien den gerade erst geschlossenen Kompromiss aufgekündigt hat.
"Just als alle dachten, Griechenland hat die Hürden überwunden und Europa kann wieder nach vorne blicken, ist das Thema alles andere als erledigt", sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Die frustrierten Gläubiger Griechenlands verlieren langsam die Geduld, da das Land seine bisherigen Versprechen nicht eingehalten hat. Daher bestehen sie auf der parlamentarischen Ratifizierung des Sparprogramms."
Die in der griechischen Übergangsregierung vertretene Rechtsaußenpartei Laos will das mit EU, EZB und IWF ausgehandelte Sparpaket nicht mittragen. Ohne die Zustimmung des Parlamentes und eine schriftliche Verpflichtung aller führenden Parteien zur Umsetzung der Maßnahmen werde aber kein weiteres Geld an Griechenland fließen, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker.
DAX-Werte im Blickpunkt
Viele Börsianer haben Griechenland schon komplett abgeschrieben. "Wir wissen, dass Griechenland die Anforderungen nicht erfüllen kann", sagte Aktienmarkt-Experte Justin Urquhart Stewart von Seven Investment Management. "Selbst wenn sie sich dazu verpflichten, werden sie die Maßnahmen nicht umsetzen können. Es scheint unausweichlich, dass Griechenland einen 'Euro light' erhält oder ganz aus dem Währungsraum ausscheidet." Ein Grund zum Total-Rückzug aus dem Aktienmarkt sei dies aber nicht, fügte Urquhart Stewart hinzu. Anleger sollten vielmehr die durch die allgemeine Nervosität hervorgerufenen Kursausschläge für sich nutzen.
Finanzwerte leiden unter Griechen-Tragödie
Auch Kevin Anderson, der beim Vermögensberater State Street die Investment-Entscheidungen an den Anleihe- und Devisenmärkten verantwortet, riet zur Gelassenheit. "Der Markt hat einen deutlichen Schuldenschnitt in Griechenland bereits eingepreist. Das reduziert den Ansteckungseffekt, sollten wir in den kommenden Wochen oder Monaten eine ungeordnete Insolvenz erleben."
Angesichts des neuen Widerstands gegen die Sparauflagen trennten sich Investoren vor allem von Finanzwerten, die besonders sensibel auf dieses Thema reagieren. "Wenn es keine Einigung gibt, könnte es zu einer chaotischen Insolvenz kommen", sagte Bob Parker, Anlageberater der
Credit Suisse. "Die Abschreibungen der Banken und Investoren würden in diesem Fall zunehmen."
Der griechische Bankenindex brach um 8,1 Prozent ein, sein gesamteuropäisches Pendant verlor 2,5 Prozent. Im EuroStoxx50 belegten Papiere der
Deutsche Bank,
Societe Generale & Co. mit Kursverlusten zwischen vier und 7,5 Prozent die ersten fünf Plätze der Verliererliste. Im DAX war die
Commerzbank das Schlusslicht. Ihre Aktien gaben 5,2 Prozent auf 2,06 Euro nach.
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