Die Querelen um die Schuldengrenze der USA drücken auf den deutschen Aktienmarkt. Allerdings entlasten positive Unternehmenszahlen den DAX. Größter Gewinner ist
SAP.
Die Hängepartie im amerikanischen Schuldenstreit stimmt die Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig. Gestützt von positiv aufgenommenen Unternehmensergebnissen schloss der DAX am Dienstag aber mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent bei 7349 Zählern. Der EuroStoxx50 beendete den Tag nahezu unverändert bei 2743 Punkten. Die US-Börsen präsentierten sich zum Handelsschluss in Europa uneinheitlich.
"Im Grunde glaubt niemand, dass sich die Politiker in den USA nicht doch noch in letzter Minute auf eine gemeinsame Linie verständigen", sagte ein Händler. Doch bis es so weit sei, bleibe ein mulmiges Gefühl. Gibt es bis Dienstag kommender Woche keine Einigung darüber, dass die US-Regierung mehr Schulden machen darf als die gesetzlich festgeschriebenen 14.300 Mrd. Dollar, droht die Zahlungsunfähigkeit. Auf dem Spiel steht auch die Top-Bonitätsnote "AAA" für die Kreditwürdigkeit der USA.
DAX im Fokus
Der frühere Chefvolkswirt der
Deutschen Bank, Norbert Walter, nannte die globalen Folgen eines US-Zahlungsausfalls "verheerend". "Das würde bedeuten, dass man sich nahezu auf nichts mehr verlassen kann, worauf man sich bislang Jahrhunderte lang verlassen hat", sagte Walter dem MDR.
Neben dem Schuldendrama in den USA hatten die Anleger aber vor allem die Bilanzen zahlreicher Unternehmen - allen voran der
Deutschen Bank - im Blick. Das größte deutsche Geldhaus sieht sich auf Kurs, seine Rekordziele in diesem Jahr zu erreichen. Analysten halten das allerdings für ambitioniert: "Das hat vorher schon kaum einer geglaubt, dass die
Deutsche Bank ihr 10-Mrd.-Gewinnziel erreicht. Mit Rückenwind - also einer starken Erholung der Kapitalmärkte - ist das noch zu schaffen, aber sonst nicht", sagte Philipp Hässler von Equinet. Die Aktien stiegen in der Spitze um zwei Prozent, rutschten dann aber um bis zu 1,6 Prozent ab und schlossen 0,7 Prozent fester bei 38,50 Euro.
Für Aufsehen sorgte auch die Schweizer Großbank
UBS, die nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal ein milliardenschweres Sparprogramm plant. Die Aktien gaben 2,9 Prozent ab.
An die DAX-Spitze sprangen kurz vor Handelsschluss die Papiere von
SAP mit einem Plus von 3,6 Prozent, nachdem der Software-Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr leicht angehoben hatte. Im zweiten Quartal stiegen die Software- und Wartungserlöse um ein Fünftel und das Betriebsergebnis um 26 Prozent - deutlich stärker als von Experten erwartet.
Blick auf die Nebenwerte
Gefragt waren zudem Metro-Papiere, die sich um 2,1 Prozent verteuerten. Händler sagten, die Pläne für ein Online-Geschäft von Media-Saturn gäben Anlass zur Hoffnung auf eine Erholung der schwierigen Sparte. Auch die Bekräftigung einer Kaufempfehlung von
Goldman Sachs sorgte laut Börsianern für Auftrieb. Deren Analysten gehen davon aus, dass die Aktie technisch gesehen derzeit auf einem guten Einstiegsniveau ist.
Ausgebremst wurden dagegen die Papiere der Autowerte und -zulieferer. Gewinnmitnahmen drückten Händlern zufolge
Daimler,
BMW und
Volkswagen ins Minus. Sie verloren zwischen 2,3 und 1,4 Prozent. Leoni-Werte, die nach der Anhebung der Jahresprognose am Vortag mehr als fünf Prozent gewonnen hatten, büßten im MDAX 2,6 Prozent ein. Die heftigsten Verluste mussten jedoch
Elring Klinger wegstecken, die trotz einer Anhebung der Umsatzprognose um 8,8 Prozent auf 21,37 Euro absackten. Sie waren damit so billig wie seit Mitte April nicht mehr. Wegen der jüngsten Zukäufe musste der Autozulieferer im zweiten Quartal Einbußen beim Betriebsgewinn hinnehmen.
An der Börse in Großbritannien sorgte unter anderem
BP für Gesprächsstoff. Der Ölkonzern hatte zwar einen Gewinn von mehr als 5 Mrd. Dollar im Quartal vorgelegt, präsentierte nach Meinung der Anleger aber keine zukunftsweisende Strategie. Die Titel des Konzerns schlossen 2,6 Prozent niedriger.
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