Die Euro-Schuldenkrise hat zu Wochenbeginn einmal mehr die Marschrichtung an den europäischen Aktienmärkten vorgegeben. Der DAX schloss am Montag ein Prozent niedriger bei 6444 Punkten, der EuroStoxx50 beendete den Tag 1,3 Prozent im Minus bei 2406 Zählern. Auch auf die US-Börsen übertrug sich die Ungewissheit in Sachen Europa - die wichtigsten Indizes notierten schwächer. "Es sieht alles ziemlich düster aus", kommentierte Joe Rundle von ETX Capital. Griechenland verhandle noch immer über einen Schuldenschnitt, die Ansteckungsgefahr sei weiterhin groß und die Investoren warteten nach wie vor auf den großen Wurf zur Lösung der Schuldenkrise.
uf positive Zeichen vom EU-Gipfel in Brüssel hofften die Investoren den Handelstag über vergeblich. Bei ihrem informellen Treffen vereinbarten die Staats- und Regierungschefs einem Entwurf zufolge unter anderem schärfere Regeln zum Schuldenabbau. Aus EU-Kreisen verlautete am Nachmittag, dass der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos seinen Kollegen einen Überblick über den Stand der Umschuldungsgespräche mit privaten Gläubigern geben wollte. Ein Schuldenschnitt Griechenlands ist eine wichtige Voraussetzung für weitere Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 130 Mrd. Euro. Inzwischen wachsen aber auch die Zweifel, ob diese Summe an Hilfsgeldern überhaupt ausreicht.
Die Furcht vor einer Eskalation der Euro-Krise wurde einmal mehr bei den Bankenwerten deutlich - der europäische Branchenindex verlor 3,1 Prozent.
Commerzbank und
Deutsche Bank führten die Verliererliste im DAX mit Abschlägen von vier und 3,8 Prozent an.
Credit Suisse nahm die Bewertung des europäischen Bankensektors herunter auf "underweight". Der angeblich positive Einfluss des dreijährigen Tenders der Europäischen Zentralbank (EZB) scheine überbewertet zu werden und die Aufnahme bei der zweiten Tranche könne niedriger ausfallen als am Markt angenommen, bemängelten die Analysten.
Besonders stark ging es für die französischen Bankwerte bergab.
BNP Paribas,
Credit Agricole und
Société Générale knickten zwischen 7,1 und 6,6 Prozent ein, nachdem Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt hatte, eine Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,1 Prozent in Frankreich einzuführen.
Die Schuldenkrise und die damit verbundenen Ausgabekürzungen der öffentlichen Hand machen verstärkt Unternehmen wie
Philips zu schaffen. Die Niederländer gaben einen Jahresverlust von 1,3 Mrd. Euro bekannt. Die Aktien des Industriekonzerns gingen in Amsterdam mit einem Minus von 2,2 Prozent aus dem Handel, die Papiere des Rivalen
Siemens schlossen in Frankfurt 0,7 Prozent niedriger. Das deutsche Industrieflaggschiff wagt sich nach langer Zurückhaltung wieder an eine Übernahme und plant den Kauf der kanadischen Netztechnikfirma RuggedCom - und riskiert damit einen Bieterkampf mit dem US-Unternehmen Belden.
Gegen den Negativtrend im DAX konnte sich
RWE stemmen: Nach einer Hochstufung durch Morgan Stanley gehörten die Papiere des Versorgers mit einem Plus von 1,1 Prozent zu den wenigen Gewinnern im Leitindex. Der geplante Verkauf von ertragsschwachen Unternehmensteilen verringere die Schuldenlast und verbessere die Gewinnaussichten, schrieb Analyst Bobby Chada in einem Kommentar. Er habe seine Prognose für das Ergebnis je Aktie 2013 um 28 Prozent angehoben.
Pessimistische Töne zur Stahlnachfrage brockten
Klöckner & Co dagegen ein Minus von 7,3 Prozent ein. "Wir richten uns darauf ein, dass die Stahlnachfrage in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent sinkt, es kann aber noch schlimmer kommen", sagte Vorstandschef Gisbert Rühl der Financial Times Deutschland. Das mache der Branche nicht gerade Mut, sagte ein Händler. Die ebenfalls im MDAX notierten Aktien von
Salzgitter schlossen 5,1 Prozent schwächer.
ThyssenKrupp verloren im DAX 3,6 Prozent.
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