Der skeptische Konjunkturausblick der US-Notenbank und das vorläufige Ende geldpolitischer Hilfen haben den deutschen Leitindex auf Talfahrt geschickt. Ein Studienerfolg zweier US-Rivalen macht
Bayer zu schaffen.
Der DAX schloss mit einem Minus von 1,77 Prozent auf 7149,44 Zählern. Der EuroStoxx50 fiel um 2,3 Prozent. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls herbe Abschläge.
"Die Aussagen der Fed sorgen nicht gerade für Beruhigung", sagte ein Händler in Frankfurt. Die US-Notenbank hatte eingeräumt, die Stärke des US-Aufschwungs zuletzt überschätzt zu haben. Sie korrigierte ihren Konjunkturausblick nach unten und rechnet nur noch mit einem BIP-Plus von 2,7 bis 2,9 Prozent.
In dieses Bild passten auch die neuen Daten vom US-Arbeitsmarkt: In der Vorwoche beantragten 429.000 Amerikaner Arbeitslosenhilfe. Das war mehr als erwartet. Auch der Absatz neuer Eigenheime war im Mai erstmals seit drei Monaten rückläufig. Zudem beschloss die Fed, das 600 Mrd. Dollar schwere Bond-Ankaufprogramm zur Stützung der Konjunktur wie geplant Ende des Monats auslaufen zu lassen.
In der Eurozone trüben sich derweil die Konjunkturaussichten. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Juni von 55,8 Punkten auf 53,6. Das Barometer für Industrie und Dienstleister sackte damit auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten. In Deutschland steigerten die Unternehmen ihre Produktion so langsam wie seit September 2010 nicht mehr.
DAX im Fokus
Bei den deutschen Einzelwerten erwischte es vor allem
Bayer kalt: Die US-Rivalen
Bristol-Myers Squibb und
Pfizer vermeldeten einen wichtigen Forschungserfolg auf dem lukrativen Markt für Schlaganfall-Medikamente. Bayer-Aktien sackten daraufhin um 6,3 Prozent ab und schlossen auf einem Zwei-Monats-Tief von 54,40 Euro. Der Leverkusener Konzern entwickelt zusammen mit
Johnson & Johnson den Gerinnungshemmer Xarelto. Die Titel von Bristol-Myers Squibb gewannen in New York 5,4 Prozent, die von
Pfizer legten zwei Prozent zu. Die Aktien von
Johnson & Johnson verloren 1,7 Prozent.
Im Minus schlossen in Europa auch die Finanzwerte. Die Aktien der
Deutschen Bank und der
Commerzbank verloren 2,6 beziehungsweise 3,8 Prozent, der europäische Bankenindex beendete den Tag 2,7 Prozent schwächer. Händler führten die Abschläge auf die anhaltenden Sorgen um eine mögliche Pleite Griechenlands zurück.
Von dem zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel versprachen sich Börsianer nur wenig positive Impulse. "Für die nahe Zukunft wird die Unfähigkeit Europas, mit der Schuldenkrise fertig zu werden, weiter Angst und Schrecken an den Märkten verbreiten", prognostizierte Marktstratege Lothar Mentel von Octopus Investments.
Abgesehen von
Bayer konnten sich die Pharmawerte
Merck und
Fresenius behaupten und gehörten zum Handelsende mit einem Plus von 1,4 beziehungsweise 0,5 Prozent zu den wenigen DAX-Gewinnern. Die weniger konjunkturabhängigen Titel seien wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten gefragt, sagte ein Händler.
Einziger Gewinner im MDAX war
EADS, der nach einem Rekordauftrag für die Tochter Airbus ein Prozent höher schlossen. Die Billig-Fluglinie AirAsia aus Malaysia bestellte auf der internationalen Luftfahrtmesse insgesamt 200 Maschinen des Typs A320neo und sicherte sich eine Option auf weitere 100 Maschinen. Der Listenpreis dafür liegt bei 18,2 Mrd. Dollar.
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