Nach Wochen des Griechen-Dramas setzen Anleger auf Verkäufe. Das konnte auch der unerwartet gute Ifo-Index nicht ändern. Die
Commerzbank verschreckt Investoren mit einer Kapitalmaßnahme.
Die überraschend positive Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen ließ Aktienanleger kalt. Sie unterbrachen ihre Verkäufe nur kurzzeitig. Der Unions-Fraktionsvize, Michael Meister, sorgte am Nachmittag zudem mit Aussagen zum zweiten Rettungspaket für Griechenland für Verunsicherung. Er hatte in einem Interview gesagt, dass der Bundestag seine Zustimmung an ein positives Votum des Internationalen Währungsfonds koppeln werde.
Nach einem positiven Wochenbeginn verlor der DAX den dritten Tag in Folge und sank um ein halbes Prozent auf 6809,46 Punkte. Auch der TecDAX büßte 0,77 Prozent ein, der MDAX sackte um 0,11 Prozent ab. Der EuroStoxx50 notierte 0,4 Prozent tiefer bei 2507,95 Punkten. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,4 Prozent im Plus.
Der Aufwärtstrend der europäischen Aktienmärkte sei trotz der jüngsten Kursverluste immer noch intakt, sagte Phil Roberts, leitender charttechnischer Analyst bei
Barclays Capital. "Die breit angelegte Erholung, die wir seit Jahresbeginn gesehen haben, ist recht beeindruckend." Nach einer Phase der Konsolidierung rechne er mit einer Fortsetzung der Rally. Der DAX hat seit Jahresbeginn gut 15 Prozent oder etwa 1000 Punkte zugelegt. Damit ist der aktuelle Jahresauftakt das beste erste Quartal seit 1998.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar von 108,3 Punkten auf 109,6. Analysten hatten nur mit einem leichten Plus auf 108,8 Zähler gerechnet. "Es verdichten sich die Zeichen, dass Deutschland in den kommenden sechs Monaten keine Rezession durchlaufen wird", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. "Vielmehr zeichnet sich im Verlauf der kommenden Monate eine konjunkturelle Belebung ab."
Für Gesprächsstoff auf dem Börsenparkett sorgte unter anderem die Bilanz der
Commerzbank. Anleger reagierten mit drastischen Verkäufen auf die Ankündigung des Geldhauses, Hybridpapiere in Aktien tauschen zu wollen. Dadurch wird der Anteil der aktuellen Eigner verwässert. Das sei ganz klar eine negative Überraschung, schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler in einem Kommentar. Allerdings könne die Bank dadurch die strengeren Eigenkapital-Vorschriften leicht erfüllen. Nach der Kapitalerhöhung könnten sich Investoren wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren, "die nicht so schlecht sind, wie es die Bewertung impliziert", sagte Häßler. Nach einen zehnprozentigen Absturz zur Eröffnung schlossen die Papiere der Bank 6,6 Prozent im Minus.
Federn lassen mussten mit einem Minus von vier Prozent auch die Aktien von
Credit Agricole. Das Geldhaus ist wegen der Schuldenkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Die belgisch-französische Krisenbank Dexia verbuchte unter anderem wegen Abschreibungen auf griechische Anleihen sogar einen Verlust von 11,6 Mrd. Euro. Die Aktie fiel daraufhin um 6,5 Prozent.
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